Manila – Abschied

Wenige Tage halten wir uns nur noch in Asien auf. Die letzten Tage verbringen wir mit einer chinesischen Familie, welche wir erst vor kurzem kennen gelernt haben, da ein Freund für uns eine Unterkunft suchte. Vor einer langen Heimreise ist es uns mittlerweile wichtig, gut ausgeruht zu starten. Normalerweise haben wir die Inlandreise mit der Heimreise verbunden, so dass sie mit unter 40 Stunden dauerte, eh wir von A nach B gelangt sind. Familie Tan hat uns sehr herzlich aufgenommen, erst seit kurzem haben sie ihr Haus geöffnet, um Gäste aufzunehmen, wie beispielsweise Missionare. Schon seit langer Zeit ist die Familie religiös, aber erst seit kurzem richtig wiedergeboren. Schon vor hunderten von Jahren kamen Chinesen auf die Philippinen, und seit einigen Generationen überwiegend, um hier Geschäfte zu machen. China war zu diesem Zeitpunkt noch sehr arm, so wie nun auch in der Provinz dort, und so arbeiteten die ersten beiden Generationen sehr hart, um ihrer Familie zuhause ein gutes Leben zu ermöglichen.

ausruhen

Von dem harten Leben ist bei den erfolgreich gewordenen Familien nicht mehr viel zu sehen und so verbringen wir unsere Zeit in einem abgegrenzten Wohnviertel mit Security und genießen das ruhige Leben in einer ruhigen Oase inmitten einer lauten und dreckigen Stadt. Nur der Smog kommt hier vorbei, aber daran gewöhnt ehnt man sich irgendwie – jedenfalls an den damit verbundenen Husten. Das Hau, in welchem wir wohnen hat 2 Stockwerke und sehr luftig und geräumig gebaut – und hey….sie alle sind Fans von Nutella, von welcher es hier mehr als genug gibt.

Sam Sam schläft

Sam Sam und Aaron erfreuen sich an den hunderten von Spielsachen, die die vier Kinder im Laufe der Jahre angehäuft haben. Tagsüber verbringen die Kinder viel Zeit in ihrem Hobbyraum, einem Zimmer, welches für Home schooling genutzt wird.

Einmal pro Woche treffen sich die Kinder mit anderen, um gemeinsam verschiedene Dinge zu lernen – beispielsweise gibt es Angebote zur Musik, Bionic, zum Handwerken und vieles mehr. Einmal pro Monat findet eine Exkursion statt – beispielsweise in eine Fabrik oder zu einer Farm.

Bei Chinesen ist das Familienleben sehr wichtig und so trifft sich die Familie schon seit Jahrzehnten jeden Samstag und Sonntag, um gemeinsam zu Essen. Dabei triffen sie sich Samstags mit der Schwiegerfamilie der Frau und Samstag dann mit der anderen Familie, oder zusammen. Auch zu meinem Geburtstag wurde Familie und noch darüber hinaus eingeladen – womit ich nicht gerechnet habe – und jeder brachte etwas zum Essen mit, beispielsweise Spanferkel und jede Menge Kuchen. Auch zu vielen Restaurantbesuchen mit der ganzen Familie werden wir eingeladen und ordentlich durch gefüttert. Bin ich satt, wird noch jede Menge Essen und Nachtisch angeboten und nun ja, was soll man sagen – ‚iss, was man euch anbietet‘, heißt es doch so schön in der Bibel und so esse ich fleissig weiter. Besonders angenehm ist übrigens das Essen auf der Terrasse, da gerade zum Abend hin eine angenehme warme Briese durch Manila weht, im Gegensatz zu den heißen Ofentemperaturen, die tagsüber das Leben erschweren und den bis zum Teil auf 16 Grad runtergekühlten klimatisierten Räumen.

Ausblick auf die Berge

Ausblick auf die Berge

Während unseres Aufenthaltes steht uns auch ein Fahrer zur Verfügung und so hören wir Geschichten, wie Manila noch vor 40 Jahren war, zur Zeit seiner Kindheit. Früher war hier alles voller Mangobäume, es war einer der Hauptplantage, so erzählt er uns. Es gab noch keine Hochhäuser, welche den Blick auf die Berge und Hügel in dieser Umgebung verdeckt haben, und dort wo jetzt der chaotischste Verkehr ist, fuhr man früher mit dem Fahrrad auf Trampelpfaden.

Mangobaeume

Mangobäume

Mangobäume gibt es hier nicht mehr so viele, jedoch findet man sie vor allem dort noch, wo es Wohnviertel gibt. So finden sich auch an diesem Baum, direkt neben unserem Haus, bereits etliche reife Mangos. Wären wir jetzt auf dem Land, würde man nach Mangos steinewerfende Kinder sehen, um diese nach herabfallen zu essen. Hier kuemmert sich keiner so wirklich um die Mangos und so fallen sie, wie bei uns die Aepfel, als Fallobst auf die Strassen.

Smog

Obwohl es Sommer ist, ist der Himmel nicht immer klar – was am ganzen Smog liegt. Befindet man sich auf der Strasse, kann man den Smog schon deutlich aus der Luft heraus spueren – darum fahren die meisten mit klimatisierten Autos und man befindet sich eigentlich recht selten an der ‚Oberflaeche‘. Menschen hier halten sich dort auf, wo viel gekuehlt wird – also Zuhause, im Auto, auf der Arbeit und in den Malls. Rentner sitzen nicht im Park, sondern in der Mall herum.

Chinatown

Die philippinische Chinatown ist die aelteste der Welt und entstand in etwa vor 200 Jahren. Etwa 98% der Geschaefte der Chinesen, so erklaert uns unserer Gastgeber, entstanden hier und breiteten sich dann auf den ganzen Philippinen aus. In etwa kann man sich das so wie in den Filmen vorstellen – je tiefer mein in die Chinatown eindringt, desto enger und dunkler wird alles – und desto weiter man hineinlaueft, desto mehr kann man am kriminellen Leben teilhaben. Da wir heute mit 5 weissen Kindern unterwegs sind, wird ein tieferes Eindringen nicht so Moeglich sein. Gestern hatten sich ein paar Leute zu einem spontanen Einsatz auf der Strasse gemeldet und so haben wir uns Chinatown ausgesucht, um dort mit Menschen ins Gesprach zu kommen und auch wollten die einen oder anderen einmal sehen, ob Gott auch heute noch heilt.

An hier kommen wir meistens nur noch mit einem chinesischen Uebersetzer aus, denn es hat sich eine chinesische Subkultur entwickelt. Auch unsere chinesischen Aepfel, die wir aus Camiguin kennen, gibt es hier zu kaufen – sie schmecken irgendwie immer gleich und bereiten unserem Nachhausekommen ein bisschen Vorfreude, denn die leckeren heimischen Aepfel haben wir schon lange nicht mehr gegessen.

Strassenkinder

Nach einer Weile verlassen wir Chinatown wieder, da es mit den Kindern zu anstrengend wird – staendig rennen sie weg oder vor den Verkehr auf der Strasse und wir wollen nicht, dass eins der Kinder ‚verschwindet‘, um dann ein paar Tage spaeter wieder gefunden zu werden – nur mit grossen Narben und fehlender Organen fuer den Schwarzmarkt. Vor knapp zwei Wochen hatte Gott uns vor einem moeglichen Car-jacking bewahrt. Wir waren damals Nach aus einer Strasse nach Olongapo unterwegs und hielten dabei kurz zum Essen an. Zum Glueck hatten wir unseren Fahrer dabei, der jahrelang fuers amerikanische Militaer gearbeitet hatte und bei seinem routinierten ueberpruefen der Umgebung vielen ihm dann die verdaechtigen Maenner auf – welche zuvor schon Luft aus unseren Reifen gelassen haben. Gott ist gut und es gibt immer spannende Sachen mit ihm zu erleben – hehe.

Zurueck zu Chinatown. Im Umfeld dieses kleinen Platzes leben etwa 200 Strassenkinder und viele von denen treffen sich taeglich auf den freien Flaechen. Die Regierung stellt viele Sozialarbeiter ein, die den Kindern an 5 Tagen in der Woche nutzliche Dinge beibringen, wie zum Thema Hygiene, Schulbildung, Verhalten in Gefahrensituationen und noch vieles mehr.

Kids lieben meine Kamera

Nach einiger Zeit im Gespraech mit dem Sozialarbeiter haben wir nun die volle Aufmerksamkeit der Kinder und haben auch die Moeglichkeit fuer die ganze Gruppe zu beten. Unser Gastgeber, Besitzer einer Papierfabrik, moechte gerne in Zukunft das Projekt mit kostenlosem Papier unterstuetzen und eventuell gibt es dadurch auch eine Moeglichkeit, den Kindern in anderen Bereichen zu helfen – zum Beispiel wie sie Gott erleben und kennen lernen koennen. Viel Freude haben die Kinds mit meiner Kamera und so machen sie fleissig Bilder von sich und haben dabei viel Spass. Falls ein Kind mit meiner Kamera wegrennen wuerde, koennte ich nicht mehr viel machen – denn durch die letzten Monate hindurch ist mir eine gute Weizenwampe gewachsen. Zwar kann ich noch ordentlich Geschwindigkeit ausbauen, aber wie ein TRex waere mein Gewicht nicht in der Lage, schnelle Richtungswechsel zu machen und so waere ich, wie der Trex, ein schlechter Jaeger.

Abkuehlung

Qualitaetsmaessig sind die Fotos der Strassenkinder in etwa wie auf dem Niveau wie die Fotos von meiner Frau – unscharf, falsch fokussiert und schief – jedoch gibt es wie auch bei Sarah, gelungene Schnappschuesse. Es gibt bereits viele Erfolgsgeschichten durch das Straßenprogramm und zurzeit wird auch eins der Straßenkinder als Pilot ausgebildet. Ziel ist es, die Kinder bis zum 18. Lebensjahr so auszubilden, dass sie sich danach für verschiedene Branchen bewerben können und je nach ihren Fähigkeiten dann weiter ausgebildet werden. Unsere Freunde werden wohl weiterhin hier her kommen, um die Menschen zu erreichen.

Es gab viele tolle Gespräche und Gott schenkte auch einigen Leuten Heilungen an diesem Tage. Beispielsweise einem Bettler, der schmerzen im Fuss hatte und nicht mehr gut laufen konnte. Eine Frau mit Problemen an der Wirbelsäule und einer Tricycle-Fahrering, welche vor einiger Zeit einen Unfall hatte und trotz OP noch Schmerzen in den Frakturzonen hat. Bei einigen, wo wir gerne eine Heilung gesehen hätten, sahen wir spontan keine – was in uns immer den Wunsch aufkommen lässt, noch mehr darin zu wachsen und Jesus noch ähnlicher zu werden.

Restaurantbesuch in der eigenen Pizzaria

Bald müssen wir uns auf machen, Richtung Flughafen. Bevor wir jedoch nach Hause fahren, haben unsere Gastgeber uns noch einmal klar gemacht, dass wenn immer wir nach Manila kommen, auch wenn wir nur über Manila fliegen, wir jedes Mal eingeladen sind und das wir ihr Zuhause als unser Zuhause in Manila sehen sollen. Wir gehen davon aus, in Zukunft tatsächlich noch einmal hier her zurück zu kommen und all die tollen Geschichten zu hören, was Gott in ihren Leben getan hat und noch immer tut. In einem Jahr wird es viele neue Geschichten geben und wir wurden sehr gesegnet in der Zeit unseres Besuches. Beispielsweise meine Frau hat immer Probleme hier in Asien Kleidung zu finden, da der Schnitt einfach ganz anders ist – und wie viel problematischer ist dann auch noch die Suche nach Schwangerschafts- und Stillkleidung. Sarah war am zweiten Tag ganz niedergeschlagen, da ihr Besuch zur Mall nicht klappte – sie hatte vor Schwangerschaftskleidung zu suchen. Aber Gott hat sie an das Versprechen erinnert, das wir uns um nichts sorgen brauchen, wenn wir ihm nachfolgen, und so kam kurze Zeit später eine Lieferung ins Haus. Eine ganze grosse Kiste voller Schwangerschafts- und Stillkleidung, und alles in genau ihrer Größe und passend – so dass sie sogar aussortieren musste, was wir aufgrund von Platzmangel nicht mehr mitnehmen konnte. Eine Schwester unser Gastgeberin ist Besitzerin eines Fachhandels dafür und hatte für Sarah etwas fertig gemacht, ohne ihre Größe und das Problem zu kennen.

Was wir viele Male in diesem Jahr erlebt haben ist, das Gott wirklich für uns Sorgt und ihm auch solche kleinen Dinge wichtig genug sind, sich Zeit dafür zu nehmen und Menschen in Bewegung zu setzten.

Traffic

Als vorerst letzten Eintrag moechte ich keine grosse Abschlussrede schreiben – ich hoffe und glaube, noch einmal wieder zu kommen. Dann koennen wir am Blog weiter machen. Vielleicht finde ich auch Zuhause noch Zeit, die eine oder andere Geschichte aufzuschreiben.

Bis dahin – Gottes Segen euch allen und bis bald!

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