Baustelle – fertig

Endlich sind wir fertig mit dem Umbau. Eigentlich schon seit 1,5 Monaten, aber irgendwie ist die Zeit zum Schreiben nicht da. Noch immer haben wir viel zu tun und sind gerade erst von einem Einsatz in Manila zurück, wo wir die letzten drei Wochen im Smog verbracht haben.

Da sich unser Umbau aus diversen philippino-style Gründen auf unbestimmte Zeit immer wieder herausgezögert hat, haben wir beschlossen nur noch das nötigste zu machen und dann einzuziehen. Das nötigste für uns war das Zimmer, in dem wir schlafen, und das Badezimmer. 

noch im Umbau

Was mich am meisten beschäftigte während der letzten Umbauwochen war das Dach, welches von innen aufwendig verkleidet werden musste. Dazu wurden kleine Betonplatten zersägt und von unten auf die alten Dachbalken genagelt. Die Lücken am Rand wurden dann mit verschiedenen Lückenfüllern gefüllt – beispielsweise mit Acryl“Glas“ oder mit Skimcoat, einer dünn aufgetragenen Zementschicht mit elastischen Anteilen, damit kleine Bewegungen mitgemacht werden können, ohne dass der Füllstoff Risse bekommt. Z.B. wenn eine Ratte über das Dach rennt, gejagt von einer Riesenechse oder einer Katze.

fertig

Da es hier sogut wie keine Leitern gibt, wurde überwiegend auf Brettern gearbeitet, welche man quer über die Dachbalken legt, auf denen das Dach ruht. So kann man entspannt sitzen und Lücken stopfen. Zum Glück hatte ich einen Helfer, der klein genug war, und nur halb soviel wiegt wie ich und gut in das spitz zulaufende Dach passt. Dafür arbeitete er auch sehr langsam – eine hier typische Sache, da die Arbeit verzögert wird – er länger Geld verdienen kann und die Arbeit auch nicht so anstrengend wird, da man eben 2 Stunden Arbeit auf 8 Stunden dehnen kann.

Sarah und Sam Sam am ersten Tag im neuen Haus

Sobald das Dach verkleidet und die Küche gefliest war, zogen wir schon ein. Wir haben das Zimmer bis auf einen Tisch unmöbeliert gelassen, da es mit den Kindern einfacher ist und auch das reinigen geht viel schneller. Da wir jeden Tag besuch von Ameisen und anderen Tieren bekommen, ist ein schnelles Ausfegen die beste Lösung. Das einzige Problem in den Anfangstagen waren jedoch die etlichen Zecken. Während der Bauphase ist ein mit Zecken beladener Hund ins Haus gekommen und hat ein Schläfchen gemacht, und die Zecken nutzten die Kühle des Zimmers und zogen komplett „aus“. Am Abend fand ich dann eine „Ameisenstraße“, welches sich als Zecken herausstellte. Da wir nicht alle mit Gift erwischt haben, oder diese einfach weiterlebten und sich versteckten, sammelten wir diese im Laufe der ersten Woche mit Klebestreifen auf. Jetzt nach 2 Monaten finden wir gelegentlich noch eine krabbeln, aber diese könnte genau so gut „frisch importiert“ sein. Der Hund hat auf jedenfall Hausverbot bekommen und bekommt jetzt immer eine Ladung Wasser ab, sobald er die Sicherheitszone betritt. Das klappt ganz gut – und seit dem ich dem Hund ein bestimmtes Gift in den Nacken geträufelt habe, ist er auch Zeckenfrei. Das Mittel kommt eigentlich aus der Pferdehaltung, aber funktioniert auch gut bei Hunden, solange man nicht überdosiert. 

Im Hintergrund ist unser angebautes Minizimmer, für welches ich mittlerweile eine Tür gebaut habe. Dort bewahren wir unsere Kleidung und Taschen auf und können so das große Zimmer sehr aufgeräumt halten. Auch hatte ich Spaß ein großes Regal für die Kleidung zu bauen, welches aus tropischem Holz und Bambus besteht. Den Bambus musste ich dann doch recht schnell auswechseln, da dort schon Buck-Buck Käfer (so werden sie hier genannt) befanden, welche das Holz fressen und wie Termiten Staub hinterlassen. Die einfachste Methode diese loszuwerden ist, das Holz zu behandeln. Die Philippinos nutzen dazu eine Mischung aus Diesel und Benzin, welches günstiger ist als Gift. Ich hatte das Holz jedenfalls nicht behandelt und entschloss ich dann die Bambusteile gegen richtiges Holz auszutauschen.

Rundumblick

Die Fenster haben wir komplett mit Fliegengitter verschlossen, so dass wir am Abend, wenn es draußen dunkel und drinnen hell ist, allerlei Getier am Fliegengitter rumschwirren haben – und die Geckos, welche diese jagen. Besonders sind die Glühwürmchen, die draußen an der Fensterwand tanzen…bis sie gefressen werden.

Zum ersten Mal hab ich Fensterrahmen eingebaut, welche aus Mahagony bestehen. Einer der Arbeiter, welcher gerne „Backjob – oder „Bad-job“ genannt wird wollte mir dabei unbedingt helfen – mit dem Resultat dass nun einige Sägeschnitte und schiefe Nägel den Rahmen zieren. Es ist halt eine andere Kultur hier und man dudelt so einiges.

kleine home schooling Zentrale

Während der erste Taifun das Haus traf, stellten wir fest, dass der Winddruck den Regen durch das Fliegengitter pressen konnte, so dass es ins Haus regnete. Wir konnten uns zwar in die hinterste Ecke des Hauses verkriechen, aber hatten dennoch eine kurze Nach mit viel Lärm und Regen im Haus. 

Regenschutz

Der Wind sollte eigentlich schon gedreht haben und von der Rückseite des Hauses kommen, jedoch verzögerte sich das Ereignis, welches halbjährlich stattfindet. So haben wir uns entschlossen die großen Fenster mit Bambusrollen zu schützen, welche man im Falle eines Taifun abrollen kann. Die Anbringung hat mehrere Stunden gedauert, da es schwierig zu erreichen war. Die Erde, welche am Hang abfällt ist recht rutschig und das einzige Hilfsmittel war eine alte Bambusleiter. Zum Helfen hab ich meinen ersten Arbeiter eingeladen, welcher einen guten Job gemacht und sich als geschickt raus stellte. Er kletterte die 4 Meter Hohe Leiter rauf, während ich und der Koch versuchten, die Leiter vom Abrutschen zu sichern. Durch den heftigen Regenfall war die Erde sehr feucht und rutschig und die Beine der Leiter hatten nur wenig Auflagefläche. Der Arbeiter zog zuerst ein Seil über einen der Dachbalken und mittels dieses Seils konnten wir dann die Rolle hochziehen und annageln. Mittels Seilen, welche entlang der Hauswand verlaufen, lassen sich die Rollen dann hoch und runter ziehen. Im nächsten Taifun stellte sich dann heraus, dass 90% des Wassers abgehalten wurde, was gut ist. Fast jedes Haus wird eingeregnet, außer es hat komplett dichte Glasfenster – der Regen wird durch den starken Wind horizontal in jede freie Spalte gedrückt. Cool. Auch zerrt der Wind an den Bambusrollen, so dass diese wie große Klappfenster hochgeweht werden und dann krachend auf die Hauswand zurück fallen.

Badezimmer

Das Badezimmer haben wir recht einfach gehalten – wir wollten nicht unnötig Geld rauswerfen. Uns war es wichtig, dass es für die Kinder sicher ist und schnell und einfach zu reinigen. Das hochgesetzte Dach hat sich als sehr praktisch erwiesen und die Vergrößerung der Höhe amcht den Raum nun deutlich angenehmer. 

Dusche

Die Fenster ermöglichen ein Blick in den hinteren Garten, wo unsere Bananenbäume, Papayas und Auberginen wachsen. Jetzt, wo der Wind gedreht hat, kann man das Haus auch von dieser Seite gut belüften. Die Kids spielen gerne mit Wasser hier und wir müssen uns nicht soviel Sorgen machen, dass sie alles aus den Schränken reißen – denn bis auf ein Regal, welches an der Wand hängt, haben wir das Badezimmer frei gelassen.

Küche

Die Küche ist bis auf die Seitenwand offen und wir genießen den tollen Ausblick auf das Meer. Sam Sam hat große Freude alles, was er in die Finger bekommt, den Hang herunter zu werfen…zu meinem Vergnügen es in den mit Mücken verseuchten Büschen zu suchen….

morgens

An den Ausblick können wir uns nie so richtig gewöhnen – er ist immer traumhaft und wir werden ihn bestimmt vermissen! Besonders angenehm ist der Wind, der vom Meer her kommt! Regnet es morgens, sehen wir über White Island, der ca. 1,5 km von der Insel entfernten Sandbank, einen riesigen Regenbogen. 

abends

Am Abend wird es hier oben schön kühl und auch die Mücken lieben das. Wir essen jeden Tag zum Sonnenuntergang zu Abend, nud genießen die verschiedenen Sonnenuntergänge. Naht ein Taifun von Norden, sehen wir ihn übrigens schon eine Weile vorher ankommen. Eine weiße Wand, welche stückenweise das Meer verschluckt, White Island verschluckt, dann die Küstenlinie verschwinden lässt und das letzte was wir dann sehen ist der Palmenwald. Ist dieser zur Hälfte unter der weißen Regenwand verschwunden, kommen hier schon die ersten Regentropfen an – meistens nur Sekunden, bevor es dann richtig zur Sache geht. Durch den Regen, der fast horizontal verweht wird, steht nach kurzer Zeit die Küche unter Wasser. Würden nicht Blätter und Dreck mitgeweht werden, wäre die Küche im Anschluss sauber.

Küst kleine Außenküche

Die Küche ist noch nicht ganz fertig, aber einsatzbereit. Möglicherweise werden wir sie noch fertig stellen, aber im Moment funktioniert alles und es handelt sich nur um optische Dinge. Nur das Geländer muss ich noch neu bauen, das ist nur provisorisch gebaut. Am Tag vor unserem Einzug hab ich festgestellt, dass das alte Geländer schon halb verfault war – und hab es dann kurzzeitig aus restlichem Kokosnussholz ersetzt. Ich war nun schon zwei Mal beim Sägewerk, aber sie warten noch immer auf eine Genehmigung, um einen bestimmten Baum zu fällen, dessen Holz ich dafür nutzen möchte. Aber wer weiß, vielleicht lassen wir es auch so und bauen es dann irgend wann einmal fertig, für den Fall, dass wir wieder kommen. Blickt man aus dem Fenster, sieht man übrigens unsere kleine Bananenplantage, welche von Papayabäumchen begleitet werden.

Ausblick in den Garten

Beim Abwaschen kann man gut in den Garten schauen und alles beim Wachsen beobachten. Neben den Kräutern sieht man im Hintergrund gezogene Papayabäume, Gurkenpflanzen (sind noch recht klein), Aubergine, Kangkong (ähnlich wie Spinat), Ananas und noch so einiges mehr, welches noch in Aussahttüten ist. Heute kamen Tomaten und Paprika dazu – nachdem unsere alte Paprikapflanze sich als Chilli herausstellte. 

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