Lanzones Festival

Nach langer Zeit nun melden wir uns zurück mit einem kleinen Post. Wie immer ist sehr viel passiert und wie immer ist wenig Zeit dagewesen, um all die Entwicklungen und Eindrücke zu sortieren und niederzuschreiben. Zudem ist unser Laptop kaputt gegangen, die Tastatur hatte sich verabschiedet und auch das Ersatzteil aus China sprang überhaupt nicht an. Mittlerweile geht der Laptop wieder einiger Maßen, nur das beim Start ein lautes Geräusch für eine Minute ertönt, welches an eine Alarmanlage erinnert. 

Philippinen ist das Land der Feste, es gibt eigentlich immer irgendwo ein Fest, sogar hier auf der kleinen Insel. Neben den rotierenden Festen der Bezirke und Städte, gibt es noch Feste für alle möglichen Heiligen, diverse Schulfeste, Nationalfeiertage und so weiter. Hier auf der Insel ist das bekannteste Fest das Lanzones Festival, welches nach den süßen und sehr leckeren Lanzones-Früchten benannt ist.

Diese wachsen an einem Baum, welcher zur Familie der Mahagoniebäume zählt und wird trotz langsamen Wachstums fast überall auf der Insel angebaut. Da der Baum Schatten benötigt, bedeutet es für uns auch immer, dass ein Mückenangriff bevor steht, falls wir uns in die Nähe der Bäume begeben. Die Session für die Lanzones beginnt im September und ist wie bei so vielen Früchten hier nach zwei Monaten wieder beendet. Normalerweise ernten man die Lanzones im Oktober, weshalb das Fest auch Ende Oktober beginnt, jedoch gibt es wenige Stellen auf der Insel, wo die Bäume schon im September tragen – z.B. kauf dem Grundstück einer befreundeten Familie, welche an der Westküste wohnt. Klassischer Weise kommen die Früchte mit einer halben Armeisenkolonie, welche diese Früchte lieben und ständig auf ihnen herumkrabbeln. Ein Guter Tipp zum Essen: Vorher die einzelne Frucht auf den Tisch fallen lassen, so dass die Ameisen abgeworfen werden – und dann Schälen. Das Schälen geht recht einfach, jedoch ist dort ähnlich wie bei der Jakefruit ein sehr klebriger Saft eingelagert, welcher beim Öffnen der Schale austritt und an den Händen oder dem Messer Kleberückstände hinterlässt. Auch waschen mit Seife lösen diese nicht vollständig ab – ein guter Trick ist die Hände mit Öl einzureiben, oder einfach zu warten, bis die Haut wieder Öl produziert hat, und der Klebstoff neutralisiert wird.

Lanzones von Ameisen befreit

Für das Festival, wo vor allem getanzt und Lärm gemacht wird, bereitet sich alle Teilnehmer schon monatelang vor. Jede Schulklasse und andere Gruppen tragen zu dem Fest etwas bei, beispielsweise als Anteilnahme an den vielen Paraden, welche durch die Straßen der Hauptstadt geführt werden. Auch Gruppentänze sind sehr beliebt, welche oft begleitet werden von dem Lärm etlicher selbstgebauter Trommeln. Die Tänzer und Tänzerinnen verkleiden sich dabei mit kunstvollen Verkleidungen, welche oft aus einfachen Dingen hergestellt werden und machen das ganze Spektakel noch farbenfroher und interessanter. Natürlich geht es darum, die beste Gruppe von allen zu sein. Interessant ist hier wieder, dass bei den Philippinos ein ganz anderes Gefühl von Zusammenhalt zu sein scheint, als bei uns. Bei uns rückt eher das Individuum in den Vordergrund, hier ist es die Gemeinschaft. Individuen werden aber auch hier als Vorbilder herausgehoben und geehrt. 

Budenshow

Das Fest geht knapp eine Woche und ging dieses Jahr nahtlos in Haloween über, welches die Beschallung der Umgebung um weitere zwei Tage verlängerte! Natürlich darf dabei auch das Essen nicht fehlen und so nutzen viele Geschäftsmä#nner die Chance, um in einem kleinen Stand für ihr Restaurant, Bar oder was auch immer zu werben. Die Bezirke werden auch von je einer „Bude“ repräsentiert und die einzelnen Bezirke versuchen sich dabei auch gegenseitig durch Deko, Baumaterialien und Inhalte auszustechen.

Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach einem Kaffee, denn wir haben erst vor kurzem gegessen und es ist sehr heiß, so dass die meisten Besucher erst am späten Nachmittag kommen werden. Ich finde meinen Lieblingskaffee hier, welcher in den Bergen nahe des Tuasan Wasserfalls angebaut wird und gönne mir trotz der heißen Tageszeit einen heißen Kaffee, denn das Eis für den Eiskaffee ist schon geschmolzen.

ja Beehive!

Rafa aus Belgien hat ein uriges Restaurant an der Westküste, wo er selbst angebauten Kaffee verkauft und auch Fruchtshakes aus seiner Farm aus Bukidnon – beispielsweise Drachenfrüchte, Passionsfrüchte und Nüsse. Sarah mag das Beehive-Restaurant nicht so, sie mag auch keinen Kaffe auch nicht diese Shakes.

auch Aaron mag das Beehive, denn es bedeutet Waffel und Eis

Für mich ist das jedenfalls eine gute Rastmöglichkeit, um das vom Motorradfahren plattgesessene Hinterteil mal wieder an das Meer zu schleppen und den Kreislauf mit dem starken Kaffee, welcher zusammen mit Nüssen geröstet wird, zu genießen. Dabei schmeißen Aaron und Samuel Steine und kleine Krebse so weit sie können ins Meer oder auf andere Dinge. 

 

Sam Sam

Kurze Zeit später flüchten wir ein Festzelt, damit wir nicht rot wie gekochten Krebse nach Hause fahren.# Hier gibt es verschiedene Wettkämpfe, Spiele und Vorführungen. Wir lauschen einem Beitrag eines Ausländers, welcher gerne Käse herstellt und er erklärt uns heute, wie er aus 10 Litern Milch einen Kilogramm Käse herstellt. Die Kosten für einen Liter Milch sind dabei jedoch für die meisten der Anwesenden zu hoch, da es schon 1/4 des Tageseinkommens sein kann. Am Ende kann ich ausgeklotteten Käse probieren, Ricotta, welcher mich an vergrößerten weißen Fresszellen des Blutes erinnert, sobald diese Erreger beispielsweise einschließen und verdauen. Ein Foto habe ich nicht gemacht, aber werde wohl mal nach seinem Hartkäse schauen.

das ist eine Aussicht

Die Musik von der Tribüne wird immer lauter und auch das Gekreische nimmt zu, es beginnt wohl der nächste Tanzwettkampf. Wir schieben uns durch die dichte heiße Luft bis zur Tribüne, wo wir dann dem Gedrängel ausgesetzt sind. Wir kommen aber irgendwie auf die Ehrentribüne und können mit gutem Blick die Tanzeinlagen anschauen,wobei die Musik, meistens dramatisch gewählt, ordentlich scheppert und die Zuschauer an bestimmten Stellen ins kreischen kommen.

Die Gruppen waehlen dabei oft die drei verschiedene Kostüme. Eine Fee in weiß, einen Baum oder einen Vogel und daraus werden dann verschiedene Geschichten präsentiert. Gerne hätte ich ein paar Portrais gemacht, aber ich war zu weit weg und den Rest der Woche war ich mit anderen Dingen beschäftigt, habe meine Kamera vergessen oder es regnete. 

Besonders Sam Sam war über die laute Musik begeistert, da er mit leeren Flaschen auf dem Tisch rumhauen konnte, ohne das es störte. Nach einer Weile störte ihn dann jedoch die laute Musik und so machten wir uns auf den Heimweg,denn es gibt ja noch ein paar andere Tage des Festivals und ein Wiederkommen ist noch möglich!

Sam Sam gibt seine Meinung zum Tanz ungefiltert weiter. 

Der nächste Tanz gibt ihm den Rest, und wir machen uns nun wirklich auf den Heimweg!

2 Comments on “Lanzones Festival

  1. Ich hätte wahrscheinlich schon beim ersten Tanz angefangen zu heulen! 😉

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