Besuch in der Stadt des Goldes

Es ist viel passiert in letzter Zeit, nur die Zeit zum Aufschreiben fehlte. Morgen muss ich mich wieder auf den Weg machen, um Mindanao zu durchqueren. Fähre, Busse und so einiges mehr an Fortbewegungsmitteln wird mich dann erwarten und nach geschätzten 10-11 Stunden müsste ich dann auch angekommen sein. Sarah, ich und die Kids sind für ein verlängertes Wochenende nach Cagayan de Oro gefahren, um dort eine erst kürzlich kennen gelernte Freundin zu besuchen. Wir kamen vor zwei Wochen hier auf der Insel ins Gespräch, wo sie für ein Wochenende zwecks Schulprojekt zu Besuch war. Wir stellten schnell heraus, dass auch sie an Gott glaubt und unsere Erlebnisse in der letzten Zeit und die nur kurz zur Verfügung stehenden Zeit machte einen zukünftigten Besuch schon fast unabdingbar. Im weiteren Kommunikationsverlauf über Facebook verabredeten wir dann einen Möglichen Zeitraum für einen Besuch, in welchem wir zum einen die Familie kennen lernen könnten und zum anderen der dortigen Gemeinde ein paar unserer Erfahrungen mitgeben könnten.

Nach einer 5 stündigen Reise erreichen wir unsere erste Station, in welcher wir die Nacht verbringen können. Cristina habe ich vor ein paar Monaten in den Bergen Bukidnon kennen gelernt und dank Facebookvernetzung weiß ich, dass sie in Cagayan de Oro wohnt. Das Stadtgebiet selber ist recht weit auseinander gezogen und beinhaltet die größten Handels~ und Dienstleistungsorgane von Mindanao. Fast alle Änderungen irgendwelcher Papiere laufen über diese Stadt ab – möchte ich also hier in Camiguin beispielsweise mein Motorrad ummelden, muss ich dazu unter anderem ein Papier der hiesigen Polizei beantragen, damit dann nach Cagayan de Oro fahren, um dieses bei der dortigen Highway-Polizei vorlegen, um ein weiteres Papier zu erhalten.  Dieses kann ich dann wieder mit nach Camiguin nehmen, um es dem Büro für Transportfahrzeuge zu übergeben. Dort wird dann etwas mit diesem Papier gemacht und das ganze wird dann wieder nach Cagayan de Oro geschickt – und kommt dann irgendwann wieder.

Sari Sari Store

Cristina besitzt einen Sari Sari Laden, eine hier gängige Einnahmequelle vieler Familien. Hinter dem Laden beginnt dann meistens der Wohnbereich, so dass man auch vom Wohnzimmer aus sehen kann, ob es Kunden gibt. Ein Kunde meldet sich in der Regel mit dem typischen „Ayooo“ an. Bevor wir ankommen, melden uns schon die Hunde an, denn Cristina züchtet kleine weiße Fellklopse, welche sie dann verkauft. Wir essen leckere Hausmannskost und bringen dann unsere Sachen ins Nachbarhaus, um dort zu übernachten – denn ihre Freundin ist zurzeit nicht in der Stadt. Unser Bett für die Nacht scheint aus drei Brettern mit unterschiedlichen Dicken zu bestehen, oder Teile des Holzes sind einfach eingebrochen – denn die Stufen unter meinem Rücken sind deutlich spürbar und die Mitte meiner Waden liegen schon am Bettende auf. Während Sarah und die Kids schlafen, husche ich noch einmal rüber und unterhalte mich mit Cristina über die letzten Monate und nach einiger Zeit kommen wir auf das Gespräch „Goldsuche“. Cristina war für viele Jahre eine der vielen Goldsucher hier – denn während des zweiten Weltkrieges haben hier so einige Großmächte Goldversteckt – groß mit dabei die Japaner und auch die Deutschen. Sie erzählt mir Stolz von dem Pfund einiger Goldbarren, den eine der Gruppen von Bekannten gemacht hat, so dass alleine der Finderlohn über 20 mio. Peso lag. Unglücklicherweise wurde bei Dokumentation ein „Fehler“ gemacht, so dass es bis heute zur keiner Auszahlung kam. Mitten im Gespräch steht sie auf und holt ein selbst gebundenes Heftchen, auf welchem die der Japaner verwendeten Codes aufgezeichnet sind und deren Bedeutung. Findet sich beispielsweise an einem Stein ein bestimmtes Symbol, sollte man genau nachschauen, was damit gemeint ist – denn einige Verstecke sind mit Sprengfallen oder Chemikalien versehen. Mit dabei auch ein paar selbst angelegte Zeichnungen möglicher Pfundorte. In ihrer Gegend, so erzählte sie mir, wurde auch mit dem Vorwand eine Siedlung zu errichten gegraben, bis dann das Depot gehoben wurde und der Verantwortliche damit abgehauen ist. Seit dem gibt es auch in ihrer Gegend keinen weiteren „Bedarf“ mehr an weiterer Bebauung der Siedlung. Bis heute noch ist die Wasserversorgung hier oben schwierig, denn wir befinden uns auf dem Weg in die Berge. Einmal die Woche wird per Generator gepumpt. 

Baufällige Infrastruktur

So einige Geschichten, welche sie erzählt, sind sehr interessant und sie zeigt mir auch ein paar ihrer Fundstücke – markierte Steine. Ich erinnere mich an meinne Freund Joey, der auch mal Schatzjäger war und fast etwas gefunden hatte, aber das Grundwasser war zu hoch, um weiter zu graben. Ich erzählte der Frau auch von einigen Markierungen an einer mir bekannten Stelle und sie verneint einige Dinge (wie beispielsweise das die Nägel an der genannten Stelle rostig sind – die Japaner aber rostfreie Nägel verwendeten) aber deutet andere Vorkommnisse als mögliche eindeutige Zeichen. Bei der ersten Grabung wurden auch einige Dinge unter der Erde gefunden, die wohl dazu dienen die finale Lage zu lokalisieren. Ab einigen Metern ist die Erde dann fast steinhart – was an einer mögliche Zugabe von Chemikalien liegt. In ihren Aufzeichnungen finden sich gute Tipps, beispielsweise welche Chemikalien man zum „aufweichen“ nutzen kann – oder das man zu bestimmten Mondphasen graben muss, falls der Zugang unter Wasser liegt (Wasserhöhe variiert dann). Wir einigen uns auf einen zukünftigen Besuch hier bei uns und werden uns die Stelle mal zusammen mit dem Joey genauer anschauen. 

So interessant es auch ist, wir müssen am nächsten Tag früh los, denn nun müssen wir ans andere Ende der Stadt, wo wir uns mit Mai treffen. Mai ist die junge Frau, von der ich anfangs erzählte und sie wird uns dann zu ihrem Zuhause begleiten. Unterwegs fällt mir auf, dass an den Schulen große Plakete hängen, mit der Aufschrift „Friedenszone – haltet uns aus dem Konflikt“. Diese Plakate machen hier durchaus Sinn, denn es sind von hier aus nur 100 Kilometer bis nach Marawi, die Stadt in der der ISIS Ableger so einiges ausbrütet und die ganze Gegend Mindanao ist dem Kriegsrecht verfallen.  Überall finden Kontrollen statt und auch unser Bus wird auf der Fahrt angehalten. Am Checkpoint verlässt jeder den Bus und stellt sich dann in einer Reihe auf. Dann vergleichen die Soldaten die Fotos der gesuchten und schicken einen dann wieder zurück in den Bus. Mai wohnt auf der anderen Seite der Stadt, welche näher nach Marawi liegt, ca 30 Minuten außerhalb des Stadtzentrums.

tolle Gegend!

Die abgelegene Gegend, in der Mai´s Familie zuhause ist, ist bewachsen mit Kokospalmen, Bananen, Mais und jede Menge andere Dinge. Hier draußen in Cagayan hätte ich so etwas nicht erwartet. Wir holpern mit dem ungefederten Transporter über zum Teil tief zerfurchten Beton oder tief ausgewaschenen Sandstraßen. Das macht nicht nur dem Aaron Spaß, der im Anschluss immer gerne erzählt, wie das Auto „in die Luft“ geflogen ist. 

Das Haus ist ein solides, aber einfaches Haus, welches durch die tollen Vollholzmöbel, welche hier üblicherweise auf Hochglanz lackiert werden, von innen Sehr gemütlich ist. Die Schlafzimmer sind so klein, dass wir unseren beiden Rucksäcke nicht auspacken können und um das Haus herum rennen viele kleine und mittelgroße Schweinchen und die verschiedenen Hunderudel pöbeln sich gegenseitig auf der Straße an. Am ersten Abend gibt es auch gleich eines der Ferkelchen gegrillt. Lecker. Hinter dem Haus verläuft ein klarer, kalter Fluss, welcher zur Regenzeit übertreten kann. Das Haus war so einmal einen Fuß hoch überflutet. Den ersten Abend verbringen wir bis tief in die Nacht mit tollen Gesprächen und am nächsten Morgen wird Joey aus Davao eintreffen, unser einziger wirklicher philippinischer Freund, den ich immer gerne als „Bodyguard“ einlade – da er früher mal intensiv Fitness gemacht hat. Trotz seiner Statur hat er großen gefallen an Samuel gefunden und hat ihn bei fast jeder Gelegenheit auf dem Arm. Er wartet schon immer drauf, wann er dem kleinen die Fingernägel schneiden kann, ihn mit Essen vollstopfen kann, um ihn dann im Anschluss mit Wasser abzufüllen, bis Samuels Augen feucht werden und er mit einem beherztem „Ahhhh“ kurz vor dem Einschlafen ist. Joey haben wir eingeladen, damit er uns bei dem Wochenende mit seinen Erfahrungen unterstützt und auch sein Bisaya ist hier eine gute Hilfe. 

Früühhstückkk

Aaron versteht sich mit den älteren Mädchen des Hauses super und so ziehen sie früh am Morgen schon zum Dorf-Sari Sari Store los, um einige Eier für die Spiegeleier zu kaufen. Nach dem Frühstück mache ich mich mit Mai auf dem Weg, um Joey abzuholen. Sarah wird die Zeit zum Ausruhen nutzen und legt ihre Füße hoch, da sie auf einmal beim Laufen starke Schmerzen hat, Nebenwirkung der ganzen Entzündeten Stellen der Unterschenkel. Dank der hohen Luftfeuchtigkeit bleiben unsere Wunden tagelang offen, manchmal sogar noch länger. Da hilft zwar ein Extrakt aus Guave-Blättern aber wir haben nicht überall diese Bäume und die Zeit, den Sud zu kochen. 

Wir fahren mit der alten Rumpelkiste zur Hauptstraße runter und mir macht es immer wieder Spaß in diesen kleinen Karren zu fahren. An der Hauptstraße halten wir an und warten auf eine weitere Transportmöglichkeit zur Stadt. Nach einigen Minuten hat sich noch immer keine Mitfahrgelegenheit ergeben, als plötzlich ein Militärfahrzeug auftaucht und 10 Meter vor uns zum Stehen kommt. Auf der Motorhaube und den Türen das Symbol des „Punisher“ aufgemalt. Die Männer im Transporter gucken zu uns rüber und Mai wird sichtlich nervös und guckt auf der Straße, ob sich doch noch irgendwo ein Van abzeichnet, welcher uns in die Stadt bringen kann. Sie erzählt mir, dass sie Angst vor den Marawi Terroristen hat und man nie weiß, wer sich hier aufhält – oft verkleidet sich die Terroristen auch als Soldaten, Zwecks Hinterhalts. Ich schaue Richtung Fahrer und mache das hier typische Zeichen für „Ich nehme dich wahr“, in dem ich beide Augenbraue kurzzeitig anhebe – und der Fahrer erwidert, ein Zeichen von „ich nehme dich auch wahr“ – was ein gutes Zeichen ist und so geh ich dort hin und fange an mit den Soldaten zu sprechen. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, das sie uns freundlich gesinnt sind und sie bieten uns an, ein Stück mitzunehmen. Wir klettern hinten auf die Ladefläche und fangen an mit den Soldaten zu quatschen. „Marawi“, so sagen sie, da kommen wir her. Wir sind seit einem halben Jahr dort und kommen nun für ein paar Tage Heimaturlaub zurück. Ich setzte mich zu einem der Soldaten und beginne mit ihm zu sprechen. Ranger, sagt er stolz und gibt seiner Aussage mit seinen hoch gezogenen Augenbrauen mehr Gewichtung. Dabei zeigt er mit einer flappsig ausgestreckten Hand im Transporter umher auf seine Männer. Er erklärt mir, was seine Aufgaben dort sind und was er jetzt für einen Auftrag hat. Auch ist er betrübt, dass Philippinos sich gegenseitig töten – aber Job ist halt Job. Ich erzähle ihm, dass ich für seinen Schutz beten werde und frage ihn, ob er das auch tut und ermutige ihn, mehr als nur auswendig gelernte Gebete zu sprechen, denn Gott ist real und möchte auch antworten. Während wir das Thema etwas vertiefen, beginnt er auf einmal zu weinen und erzählt mir, was ihn wohl schon seit langer Zeit bedrückt – von alten Vorwürfen seines Vaters, Dinge des Krieges und einiges andere, was ich nicht so ganz verstanden habe, denn der Fahrtwind lässt die Planen ordentlich knattern. Als die anderen Soldaten anfingen über ihn Witze zu machen, lies er sich nicht stören und hörte zu, als ich ihm von Vergebung erzähle und den Kernpunkten des Evangeliums, das auch Gott sich sehnt, dass er Ihn kennen lernen möchte und das er all das, was ihn so bedrückt, abgeben kann. Meine Einladung zum Gebet hat er dankend angenommen und danach war er wie ausgewechselt. Er scheint deutliche Erleichterung erfahren zu haben und schenkt uns beiden am Ende noch zwei neue Army-T-Shirts und ein Foto von sich, damit ich mich an ihn erinnere und weiter für ihn um Schutz beten möge. Natürlich ist auch eine Einladung dabei, falls ich mich mal in der Gegend aufhalten sollte, wo er zurzeit stationiert ist. Ich würd mich freuen, wenn Gott uns wieder zusammen führt, aber mal sehen! Der Truck hält an und wir müssen abspringen, können von hier aber per Jeepny weiter fahren. Schade, ich hätte mit dennoch eine Runde länger fahren können und stelle mir vor, wie es wohl wäre hier als Soldat mit den Jungs zu arbeiten. Das wäre bestimmt richtig Philippino Style!

Zwei Stunden später sind wir wieder zuhause, mittlerweile hat sich mein Bestand um einen weiteren Sonnenhut erweitert, den mir ein witziger Renter geschenkt hatte, nachdem wir für die Gruppe um Heilung gebetet haben. Auch die Situation war wieder gut vom Boss da oben vorbereitet, aber die Zeit zum Berichten fehlt.

Das erste Treffen mit der Pastorin verlief gut, auch wenn sie vieles, was wir so sehen, anders sieht. Traditionen zu brechen, ist sehr schwer und ich hab das Gefühl, dass es hier bei uns auf den Philippinen noch deutlich schwerer ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen, besonders Kirchen, mit ihrer Tradition und ihren Erfahrungen Gott limitieren und das dann, wenn man diese Blockaden aus dem Weg räumt, er wieder arbeiten kann. Es liegt nicht an ihm, viel mehr liegt es an uns und so möchten wir die Zeit hier nutzen zum Ermutigen, diesen Schritt zu gehen.  Auch wir stehen dort noch am Anfang, aber alleine der Anfang ist schon mehr, als mancher hat. Mai ist ganz begeistert von einem Film eines Freundes (Link gibts ganz unten), welchen wir ihr gezeigt haben und auch durch die ersten Erfahrungen mit den Soldaten und in der Mall, welche ich aus Platzgründen nicht schreiben kann. Wir verbringen den Rest des Samstags mit interessanten Gesprächen und dürfen einige unser Geschichten erzählen. Auch mein „Bodyguard“ Joey, der schon viel mehr als wir mit Gott erlebt hat erzählt spannende Geschichten.

Joey and Sam Sam

Der kleine Sam Sam hat hier mit dem Laufen angefangen, zwar hat er Zuhause schon seine ersten Schritte gemacht, aber nun scheint er richtig Spaß daran bekommen zu haben und watschelt durch das Haus von Mai Mai oder hangelt sich an den Bänken in der Kirche rum. Für die Frauen ist der kleine dicke Sam Sam ein Goldschatz und Aaron flüchtet mit den Kindern nach draußen, um Stöcker gegen die Wand zu werfen. Viele werden von dem Film und den Geschichten angerührt und lassen im Anschluss für sich beten. Es ist immer wieder toll zu sehen, wenn Menschen von Gott berührt werden. Viele berichten, dass sie gerne den Schritt wagen möchten und in die Richtung gehen wollen, mehr Glauben an die Dinge zu haben, die Gott durch sie tun möchte. 

Wir schauen bald mal wieder vorbei und besuchen unsere Freunde dort, die sich mittlerweile wie Familie anfühlen. 

 

 

 

 

 

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