Aktuelle Geschehnisse

Inzwischen ist bei uns so etwas wie Alltag eingekehrt. Enno geht morgens meist zur Baustelle gegenüber und arbeitet an dem Haus, das doch wesentlich länger dauert als wir dachten. Und ich verbringe den Tag mit den Kindern mit allem, was so ansteht. Meist waschen wir morgens die Wäsche, was eine Weile dauert, da alles mit der Hand gemacht wird. Trotzdem ist das meine Lieblingshausarbeit. Es macht Spaß, die Hände im Wasser zu haben und die Kinder geniessen es auch. Aaron hilft schon manchmal mit. Samuel auch, wobei seine Hilfe darin besteht, die Seife zu essen und mit der gewaschenen Kleidung den Boden zu wischen. Daher wird er auch manchmal ausgeladen, wenn es ans waschen geht :).

Mehrmals täglich müssen wir auch alle Räume fegen. Ich bin eigentlich nicht pingelig, was den Boden angeht, aber hier ist es wirklich nötig, da er innerhalb weniger Stunden mit Ameisen und Termitenstaub übersät (!) ist und sich auch sonst so einiges am Boden ansammelt – und der kleine Samu isst wie ein Staubsauger. [Anmerkung von Enno: So schnell kann man manchmal gar nicht gucken – er scheint dabei kein Ekelgefühl zu haben. Mal findet er einen leckeren großen Nachtfalter in der Pfütze der trocknenden Wäsche, mal halb getrocknete Zementbrösel von der Baustelle oder sonstige Dinge (alles!) Wird er dabei erwischt, dass er sich etwas „verbotenes“ krallt, dann fängt er an zu lachen, stopft sich das Teil in den Mund und haut so schnell ab wie er kann – hat man ihn dann erreicht, hat der Mund, welcher sich dauernd in Mahlbewegung befindet, das Objekt schon verschluckt und oft wissen wir nicht genau, was das nun war. Sogar wenn er auf meinem Schoß ein Stück Essen isst, und dieses runter fällt, dann windet er sich unter wildem Geschrei wie ein öliger Aal,bis er dann auf den Boden plumpst und mit schnellen gezielten Griffen seine Nahrung von seinem Lieblingsteller,dem Boden, angelt. Ich nenne ihn gerne „Esau“ – ein Mann des Feldes, grob und wild. Sein gold-rötliches Haar bestätigt den passenden Spitznamen und sein stämmiger Brustkörper und sein lauter Befehlston deckt sich eigentlich eher mit seinem zweiten Spitznamen – Coronel Barrel. Den Namen gab ich ihm, da die Babysachen in seiner Größe (und größer!) ihm zwar von der Länge her passen (sogar zu lang sind), aber sein Oberkörper zu viel Volumen hat, so dass eigentlich fast alle Größen, außer die von Aaron, bei ihm wie ein Bauchfreishirt aussehen – natürlich ohne Falten des Textilgewebes.]

sogar Zähne putzen genießt das Kind

Essen kochen ist auch noch eine Herausforderung, Dinge zu finden, die allen schmecken, gesund und günstig sind und einfach und schnell zu machen sind. Hier gibt es tolle Gemüsearten, die ich zum Teil vorher gar nicht kannte, wie Sayote, Kankong, Flaschenkürbis und viele andere, an die ich mich noch nicht gewagt habe, da sie bitter schmecken oder schleimig sind. Neulich habe ich auch zum ersten Mal versucht, frischen Fisch zuzubereiten. Die erste Überraschung kam, als ich ihn wusch und dabei Wasser in die Kiemen lief. Automatisch öffnete sich dabei der Mund und mir wurde gleichzeitig übel und ich erschrak. Das erinnerte mich auch an die vielen Fische, die man hier beim Schnorcheln sehen kann, eine Leidenschaft, die ich erst hier für mich entdeckt habe.

Seestern

Zum Schnorcheln kann ich sogar Aaron mitnehmen. Er kann zwar noch nicht schwimmen, aber mit Schwimmring und Taucherbrille ausgerüstet wagen wir uns raus aufs Meer. Ich habe auch von einer Freundin eine tolle Tasche geschenkt bekommen, die man sich um den Bauch bindet und aufblasen kann. Sie ist an einem Gurt befestigt, sodass sie nur hinter mir herschwimmt und mich nicht stört. Aber Aaron kann sich daran fest halten, und falls ich müde werde, könnte ich mich auch daran festhalten.

lecker Fisch

Wir haben schon die schönsten Fische gesehen in allen möglichen Farben, Seesterne, Seeigel, viele verschiedene Korallenarten und sogar einige Riesenmuscheln, die, wenn man etwas runtertaucht, farblich leuchten. All das fiel mir wieder ein, als mich die toten Fische mit offenem Mund anstarrten. Beim Braten sind dann auch die Augen rausgefallen und das Essen war für mich gelaufen. Glücklicherweise kann man hier auch bereits gebratenen Fisch kaufen, was ich jetzt ab und zu mache.

Nachmittags habe ich in letzter Zeit oft Ausflüge mit den Jungs gemacht. Dabei passieren tolle Sachen, wenn ich auf den Heiligen Geist höre. Neulich waren wir in einem Schwimmbad. In kurzer Zeit war ich umringt von einer Kinderschar, die Samu in die Wange kniffen und Aaron zum Springen in den Pool aufforderten. Mit einem der Mädchen fing ich an zu reden, auch über Gemeinde und Jesus und es stellte sich heraus, dass wir in die gleiche Gemeinde gingen, nur dass sie jetzt nicht mehr gehen konnte, weil der Weg zu weit und zu teuer ist. Ich hatte den Impuls, ihr meine Nummer zu geben, habe das aber gleich wieder verworfen. Wie würde es wohl wirken, wenn eine ausländische Frau einem kleinen Mädchen ihre Handynummer gibt? Dann musste sie los und verabschiedete sich. Sobald sie weg war, wurde mir klar, dass der Impuls von Gott gewesen war. Ich bereute sofort, es nicht gemacht zu haben, und bat Gott, sie mir nochmal über den Weg zu schicken. Zehn Minuten später sah ich sie wieder und gab ihr die Nummer. Ich sagte, sie solle ihren Vater und Bruder mal fragen, ob sie Lust hätten auf einen Besuch von uns.

Abkühlung im kalten Nass

Nachmittags schaute ich aufs Handy – 17 verpasste Anrufe. Am nächsten Tag wieder 30 verpasste Anrufe. Ich musste schmunzeln und erinnerte mich an mich selbst als 11jährige. Nach ein paar Tagen telefonierte ich auch mit dem Bruder, der nicht so begeistert wirkte, und uns, höflich wie die Philippinos sind, dennoch einlud. Als wir hinfuhren, war erstmal keiner am verabredeten Treffpunkt. Nach einer Weile fanden wir das Haus und setzten uns bei laufendem Fernseher an den Tisch. Das Gespräch mit dem Bruder war spannend und nach wenigen Minuten schaute er plötzlich auf und sagte: „Ich glaube, unser Treffen ist kein Zufall. Ich weiss, dass ich noch nicht zu Jesus gehöre. Ich möchte ihn kennenlernen und ihm gehören. Ich habe auch nicht den Heiligen Geist in mir und bin noch nicht frei von Sünde. Ich möchte es aber!“ Wow, jetzt verstanden wir, warum Gott uns hier hergeschickt hatte. Wir beteten noch zusammen und lasen ein bisschen in der Bibel. Am nächsten Tag wollte er getauft werden. Wir erklärten ihm das Evangelium, also die gute Nachricht von Jesus nochmal, da wir nicht wussten, was er schon alles verstanden hatte. Es ist erstaunlich, dass sogar viele Leute, die jahrelang in der Kirche waren, oft nicht verstanden haben, was Jesus für sie eigentlich getan hat und was es für ihr Leben bedeuten kann.

bei TanTan im Garten

Unser Freund hatte noch den ganzen Abend nachgedacht und war sich sicher, dass er ein neues Leben mit Jesus anfangen wollte. Also suchten wir nach einer guten Stelle zum Taufen. Am Strand erstmal eine Niete. Es war Ebbe und wir hätten uns an den vielen Seeigeln doch ziemlich wehgetan. Also weiter. Dann fanden wir einen Swimming Pool in einem Resort und fragten, ob wir kurz reinspringen dürften für eine Taufe. Die Leute waren ganz lieb und wir mussten nicht einmal was bezahlen. Als wir ins Wasser stiegen, kamen in mir viele Gedanken hoch. „Hoffentlich mache ich alles richtig. Hoffentlich ist er gut vorbereitet.“ Zuvor haben wir noch über die Bedeutung von Taufe gesprochen und über Sünde. Eine Taufe ohne Umkehr von Sünde ist so wie das Waschen fettiger Hände ohne Seife. Man ist hinterher zwar nass, aber noch genauso dreckig wie vorher.

auf dem Weg zum Wasser

Unser Freund war aber gut vorbereitet, nicht von uns, sondern vom Heiligen Geist, der ihm in liebevoller Weise ganz viel gezeigt hatte, von dem er sich abkehren soll. Als er untertauchte, passierte auch etwas Tolles. Er kam wieder hoch und es schien, als hätte er schon unter Wasser angefangen, zu weinen. Es brach nur so aus ihm heraus, er weinte und weinte und wir beteten zusammen. Danach fühlte er, dass ihn etwas verlassen hatte, wie eine Last und er führte sich spürbar leichter. In den letzten Wochen haben wir viel gebetet, dass wir uns Gemeinschaft mit anderen Christen wünschen. Jetzt treffen wir uns einmal wöchentlich mit unserem neuen Freund und geniessen es alle sehr – die erste Hausgemeinde ist entstanden. Seine Mutter ist letzten Oktober gestorben und seither war er ziemlich einsam. Jetzt sagt er, merkt er, wie Gott ihn versorgt, auch mit Freunden. Ich bin immer wieder erstaunt, was Gott alles macht, wenn wir auf den Heiligen Geist hören.

Jetzt mache ich nachmittags keine Ausflüge mehr mit den Kindern, denn Aaron ist seit einer Woche sein Schulkind! 🙂 Das war auch wieder so eine Eingebung von oben. Ich war zu Hause und hatte plötzlich den Eindruck, es wäre gut, Aaron in einem Kindergarten zum Spielen anzumelden. So für zwei Stunden täglich. Ich fragte Enno und er sagte, es sei gut, also fuhr ich gleich mit Aaron dorthin. Es stellte sich heraus, dass Aaron inzwischen schon in die Vorschule gehört vom Alter her, und sie hatten auch noch einen Platz frei. Was ich gar nicht wusste, ich war genau rechtzeitig gekommen, denn am nächsten Morgen war der Orientierungstag und ein paar Tage später fing das neue Schuljahr an. Aaron fragte, ob er auch eine Schultüte bekäme und so war er der einzige kleine Junge in seiner Klasse mit einer kleinen Schultüte, die wir provisorisch gebastelt haben 🙂 Er bekommt auch eine Schuluniform und es geht sehr diszipliniert zu. Schuluniformen sind hier üblich und es ist wirklich entzückend, die Kinder darin rumlaufen zu sehen. Auch die Jugendlichen tragen Uniformen, die Mädchen Röcke (Faltenröcke, die weit übers Knie gehen) und die Jungs Hemden. Unsere Schule ist eine christliche Schule, die nach dem Montessori-System unterrichtet und sie dauert zwei Stunden am Tag. Der Betreuungsschlüssel ist vier Lehrerinnen auf 12 Kinder. Ich glaube, da oben meint es einer gut mit uns :). Im Moment darf ich noch zugucken und Aaron und ich haben beide Spaß daran. Die Lehrerinnen sind toll, begleiten nur die Kinder beim selbst entdecken und die Schüler können sich aus vielen Materialien immer das raussuchen, womit sie gerade arbeiten wollen.

kleiner Schuljunge

Wenn Samuel dann aufwacht, setze ich mich mit den anderen Müttern und Grossmüttern raus vor die Tür und warte dort auf Aaron. Die Grossmütter haben es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, mir Bisaya (die Sprache hier) beizubringen und so haben wir immer viel zu Reden und viel Spaß. Gestern fing die eine Oma an zu gackern, dass ihr die Tränen kamen. Leider reicht mein Bisaya noch nicht aus, um zu verstehen, was sie so erheitert hat. Das philippinische Volk ist insgesamt ein sehr fröhliches und das ist etwas, was mir garantiert fehlen wird, wenn wir wieder nach Deutschland kommen. Und auch etwas, was ich gerne hier lernen möchte. 🙂

Wenn wir dann von der Schule wieder nach Hause kommen, hat Enno auch gerade Feierabend und so versuche ich dann etwas leckeres zu kochen, da ich mich noch in der Eingewöhnungsphase der hiesigen Angebote befinde. Dann beginnt auch schon der Sonnenuntergang und wir nutzen die letzten zwei Stunden des Tageslichtes entweder zum Aufräumen oder wir fahren noch einmal rum und besuchen Freunde, pflegen Kontakte und sagen dem Meer an unseren Lieblingsstellen guten Abend, während wir die zurzeit sehr farbenfrohen Sonnenuntergänge genießen, denn morgen früh wartet schon wieder neue Wäsche, die gewaschen werden muss und für Enno gibt es wieder viel Philippino-Style auf der Baustelle zu erledigen.  

toller Sonnenuntergang

One Comment on “Aktuelle Geschehnisse

  1. Was für ein toller Bericht. Und die Fotos die ihr postet sind wunderbar. Ich finde es sensationell was ihr erlebtn und für die Kids ist es ja ein Traum.

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