Motocross Trail

Vor zwei Wochen war ich in einer Werkstatt und wurde dort zu einem kleinen 5 Stündigen Motocross Ausflug in den Bergen von Camiguin eingeladen. Da ich noch nie Motocross gefahren bin und sie mir auch versicherten, dass es nur einfache Wege sein, hab ich zugesagt und so kommt es, dass ich heute gegen Mittag mich auf dem Weg zum Treffpunkt mache. Den Tank habe ich fast leer gelassen, denn ein voller Tank ist zusätzliches Gewicht, welches man beim möglichen Umfallen stemmen muss.

Treffpunkt Werkstatt

Der Werkstattleiter und einige seiner Mitarbeiter + Externe machen regelmäßige Motocross-Ausflüge und es scheint dabei alle möglichen Schwierigkeitsgrade zu geben-von leicht bis schwer. Schwer bedeutet dann schon zum Teil absteigen und das Motorrad über das Hinderniss „führen“, neben der sonst schon gefährlichen Strecke. Ich kann mir ein wenig die aufgemotzten Motorräder anschauen und lerne auch hierbei wieder eine Menge über das einfache Gespräch. Da ich nicht mit Motoren aufgewachsen bin, freue ich mich hier jedes Mal über neue Erkenntnisse und neue Ideen. So scheint es hier ganz üblich zu sein, mittels ein paar Ersatzteilen über das indonesische Ebay zu kaufen, um den Hubraum zu vergrößern, Zylinder zu vergrößern oder durch größere Ritzel die Übertragung so zu verändern, dass es zwar mehr Vorwärtsschub gibt (Zeitgleich eine bessere Motorbremse beim Bergabfahren, welche ich später schmerzlich vermissen werde), dafür aber Verluste an der Endspitze der Geschwindigkeit. Dabei wird gerne eine Geschwindigkeitseinbußevon 1/5 hingenommen, wenn man dadurch den Berg befahren kann.

Jojo, ein Philippino mit gemütlicher Figur, musste seine Maschine etwas auffrisieren, damit sie ihn mit seinen knappen 100Kg die steilen Bergwände hochschleifen kann, denn es gab dadurch schon einige gefährliche Situationen. Mit meiner braven Maschine komme ich mir etwas fehl am Platz vor, aber auch nur, weil ich noch nicht genau weiß, was damit alles möglich ist.

abgesoffen

Wir verlassen nach kurzer Fahrt auf der Straße den Zement und beim Runterfahren der Abgrenzung bleibt schon das erste Motorrad liegen – anscheinend ein Kurzschluss in der Elektronik – fast wäre ich ihm hinten raufgedonnert, aber es ging noch alles gut. Ich merke aber schon deutlich, wie das Motorrad ins schlingern kommt, sobald ich über größere Kiesel fahre, bei den anderen scheint es nicht so zu sein. Das Gute an einer Gruppe ist, das man motiviert ist und auch sehen kann, was alles möglich ist. Der Boden ist vom Regen schön locker und weich und meine Reifen scheinen keinen sehr guten Halt zu bieten.

Eingang zum ersten Trail

Der Pfad wird auf einmal sehr schmal und meine Reifen rutschen in der Rinne hin und her, wie eine Murmel in einer Schüssel – das Hinterrad dreht oft durch und die Maschine macht sich unter mir selbstständig und will die ganze Zeit ausbrechen. Nach einem halben Kilometer wird der Wald dichter und der Boden ist noch feuchter, da die Sonne hier nicht den Boden erreichen kann. An einer Stelle bin ich dann bereits so eingefahren, dass sich das Motorrad nicht mehr von der Stelle bewegt und nur mit Hilfe von einem Helfer, der mich am Stoßdämpfer raus zieht, schaffe ich es wieder auf den halbfeuchten Trail. Nachdem sie meine Reifen begutachtet haben stellen sie fest, das der Druck für dieses Gelände viel zu hoch ist und der Reifen dadurch nicht die Möglichkeit hat sein Profil und seine Fläche dem Boden anzupassen. Mittels eines kleinen Barometers lassen wir fast die Hälfte der Luft raus, so dass ich mit 15 Bar weiterfahren kann – was ein Unterschied. Zwar schlingert die Maschine noch im Matsch, aber nicht mehr als bei den anderen Fahrern.

erste Pause

Wie praktisch mit einer Handvoll Mechanikern unterwegs zu sein, denn nun wird mein Motorrad erstmal auf den Trail eingestellt – bisher war die Maschine überwiegend auf der Straße und im leichten Gelände gefahren worden, aber nicht querfeld ein einen Berg hoch- geschweige denn von schlammigen Mono-trails. Bei gleicher Gelegenheit wird auch schnell die Elektronik von meinem Vorfahrer repariert, so dass sie sich nicht wieder bei voller Fahrt ausschaltet und den Motor stoppt. Nach dem wir den Ausblick auf die Berge und das Meer genossen haben, machen wir uns wieder mit den Rädern auf den Weg.

Der Hinweg

Einen richten Weg gibt es hier nicht, wir fahren einfach den Hügel herunter und dabei lesen unsere Reifen recht viel Grünzeugs auf. Noch immer sitze ich recht unsicher auf meinem Sitz und bei jedem Steilhang, den ich schräg an oder abfahren muss, habe ich schon das Bild in meinem Kopf, wie die Maschine ausbricht und den Hang runterrutscht. Da ich nur eine kurze Hose habe, möchte ich heute lieber nicht unter dem heißen Motor liegen. Gelegentliche Bodenwellen sind schon deutlich tiefer als 40 Zentimeter und so langsam taste ich mich an das Gefühl für offroad fahren ran.

Waldtrail

Mittlerweile sind wir schon einige schwere Streckenabschnitte gefahren, die ich aber nicht fotografieren konnte. Bei diesen Stellen darf man nicht stehen bleiben – was auch aufgrund der Steigung und des Gerölls nicht möglich ist – selbst bei durchgetretener Bremse. Immer wieder muss ich meinen Blick auf den Abschnitt vor mich richten und nicht auf das, was noch vor mir liegt – denn sonst drehen meine Gedanken durch. Blicke ich den ganzen Hang hoch und sehe, wie die Person vor mir ins Schlittern gerät, fehlen mir die paar Sekunden, die für die Aufmerksamkeit meiner im Kopf zurecht gelegten Route brauche. Beim Motocross, so erzählt mit Jojo, ist es wichtig sich eine vorausschauende Linie durch das Gelände vorzustellen und diese dann bei Möglichkeit abzufahren. Achte ich nur auf den Mann vor mir, so erklärt mir Jojo, werde ich den selben Fehler machen, den er auch gemacht hat. 

mittelschwerer Trail

Der mittelschwere Trail hat es in sich – wir überqueren mehrere Flüsse und die handballgroßen Flussteine schlagen von unten gegen das Gehäuse des Motorrads, gegen den Motor und meine Füße. Die rutschige Oberfläche mach das Fahren nicht gerade einfacher aber irgendwie schaffe ich es bisher doch die Hindernisse zu überwinden. Auf den Fotos sieht das Gelände relativ flach aus, was an dem Weitwinkel liegt, der Stein ist vielleicht 40 Zentimeter hoch und ich versuche ohne anzuhalten an dem Hindernis vorbei zu kommen, denn bleibe ich stehen, rutscht das Motorrad bergab.

Es macht ein Heidenspaß und so langsam bekomme ich ein besseres Gefühl für meine Maschine im Gelände. Das Ausbrechen gehört immer mehr mit zum Fahren und bereitet mir keine große Sorgen mehr. Auch bin ich froh über die anderen Fahrer, denn zum Einen haben sie auch so ihre Schwierigkeiten mit dem Trail und zum Anderen sehe ich so, was mit den Maschinen möglich ist – denn alleine hätte ich das dem Bike nicht zugetraut.

An vielen Stellen gibt es zusätzliche Hindernisse, wie beispielsweise der umgefallene Baum. Manchmal sind es auch angebundene Tiere, welche zwar ausbüchsen, aber deren Seile im Laub schwer zu erkennen sind – und wenn diese sich zu spannen beginnen, muss man schnell reagieren. Hier oben gibt es überwiegend Wasserbüffel und Pferde zum Fortbewegen. Hier könnte man guten Mozarella machen, denn der echte Mozarella wird aus der Milch der Wasserbüffel gewonnen.

ab durch die Hecke

Bisher fahren wir fast nur bergauf, und haben die ersten 400 Höhenmeter überwunden. Hier scheint schon länger keiner mehr gewesen zu sein, denn der Pfad ist völlig zugewuchert. Mit eng angezogenem Knie und Ellenbogen prescht die Maschine vorwärts und alles was hängen bleibt, wird abgerissen. Viele Äste fühlen sich an wie kleine Peitschen und ich frage mich, ob ich den Weg zu Fuß gehen könnte – das wäre ohne Machete eine Qual – oder ohne Motorrad. Durch den dichten Bewuchs sieht man den Boden oft nicht und wird regelmäßig von Felsen, Kokosnüssen und Holz überrascht. Auch wenn es bisher knapp war , ist noch keiner ernsthaft gestürzt. Dafür werden wir mit einem tollen Ausblick belohnt!

toller Ausblick

Im Hintergrund sehe ich den Hafen, wo ich vor kurzem nach Butuan abgelegt habe – auch die Lagune, wo ich gerne Kokosnussshake trinke. Weiter im Hintergrund sehe ich die Küste von Balinguan und kann dem Küstenverlauf bis nach Ginoog verfolgen – mindestens 40km weite Sicht! Am Horizont schimmert Festland, welches Surigao sein dürfte – das müssten mindestens 100km Sicht sein. Fürs runterfahren bekomme ich nun noch die nötigen Tipps. Keine Vorderbremse benutzen, bei Möglichkeit leicht mit der Rückradbremse, damit das Rad nicht blockiert und rutscht – und wenn es ganz steil und schlammig wird, am besten den Motor ausschalten, und mit der Kupplung rollen und bremsen. Hier merke ich nun auch den Unterschied der verschieden großen Ritzeln (Zahnräder). Da mein Motorrad in seiner Werkseinstellung mit einem mittelgroßen Ritzel kommt, beschleunigt die Maschine bergab trotz Motorbremse, so dass ich eigentlich immer bremsen muss. Die anderen haben das Problem nur zum Teil, denn ihre Maschine rollt bergab nicht so schnell – praktisch fürs Gelände, ungünstig für die Straße. Beim Bergabfahren höre ich hinter mir auf einmal Hupen – denn ich bin fast ganz vorne und so halten wir an um zu schauen, was passiert ist. Roger ruft etwas den Berg runter und wir antworten mit „Oo“ – ja. Ja wir kommen. Jojo scheint gestürzt zu sein, denn der abwärtsweg ist rutschig und Schmal und verläuft an einigen Stellen dicht am Hang so dass ein paar Zentimeter weiter rechts fahren mit Absturz gleichzusetzten ist. Da ich an zweiter Position gefahren bin, und wir die Räder hier nicht aneinander vorbeimanövrieren können, fragt mich der Vordermann, ob er mit meiner Maschine zur Hilfe eilen kann – denn ich habe eher vor die kurze Strecke zu laufen. Er fährt los und und nimmt die erste Steile Kurve, an der wir gerade bergab gekommen sind und stürzt dort ebenfalls. Schnell renne ich hin und helfe ihn von der Maschine zu befreien, denn der heiße Motor kann üble Verbrennungen verursachen, wie ich bereits erfahren durfte.

Zum Glück ist ihm und meiner Maschine nix passiert und mittlerweile komnmt auch schon Jojo bergabgefahren, etwas verschlammt. 

Reperatur

Durch einen gewaltigen Aufprall hat sich plötzlich sein Lenkrad gelockert und nach unten geneigt, und durch die Gewichtsverteilung ist er dann mit einer kleinen Vorwärtsrolle über das Motorrad gefallen. Zum Glück ist nichts ernsthaftes passiert, bis auf eine kleine Prellung und die Mechanikern holen schon aus dem Werkzeugrucksack den passenden Schlüssel und stellen das Lenkrad wieder richtig ein, und ziehen zur Vorsicht die Muttern etwas fester. Scheint so,als ob sie öfters so etwas erlebt haben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass alles Werkzeug da ist, um das Motorrad komplett zu zerlegen – nur einen Luftdruckkompressor konnte ich noch nicht entdecken, aber wer weiß…

tolle Strecke

Ein Teil des Weges besteht aus breitem lehmigen Boden, was zwar technisch nicht anspruchsvoll ist, dafür aber aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit eine willkommene Abwechslung ist! Hier machen wir eine kleine Pause und überlegen, wie die Fahrt weiter geht, welches das nächste Ziel ist und ob es heute erreichbar ist. Aufgrund des Regens in der Nacht und am Morgen ist ein Teil der Strecke schlammig und rutschig und da sind gewisse Steigungen schwierig. 

kleiner Schaden!

Einer der Jungs schaut sich einen Weg an, ob dieser befahrbar ist. Nach vielleicht hundert Metern stürzt er in ein kleines Loch und ein Teil der Hardschale bricht auseinander. Damit das Gehäuse, welches nun aufklappt ohne die Halteschraube, nicht beim Fahren irgendwo hängen bleibt und weiter auseinanderbricht, wird provisorisch mit Kabelbinder repariert – was sie nicht alles dabei haben – Philippinostyle! Aber es hält und ist eine schnelle und praktische Alternative im Gelände. Der Weg ist nicht befahrbar und so wählen wir einer alternative Route. Bis her ist jeder gestürzt, nur ich hatte Glück – jedoch kommt der nächste Abhang und dieser besteht aus größeren Geröllpisten, über welche der Regen wie ein kleiner Fluß gelaufen ist. Die schmierigen Steine und die nicht haltenden Reifen trotz leicht gezogener Bremse lassen mein Vorderreifen zwischen zwei Felsen verkeilen und das Motorrad kippt so schnell zur Seite, dass ich es nicht rechtzeitig auffangen kann – auch mein Bein hat keinen guten Stand. Zum Glück konnte ich die Fallgeschwindigkeit etwas reduzieren, so dass kein Schaden am Motorrad aufgetreten ist – nur meine linke Wade hatte kurzzeitig Kontakt mit dem Motor durch die Ausgleichsbewegung und hat nun eine kleine runde rote Scheibe als Erinnerung – ich sollte mir lange Hosen besorgen, welche die Beweglichkeit nicht einschränken.

kleines „Kubo“

 Unterwegs kommen wir an kleinen Bergdörfern vorbei, welche schöne Gärten haben, manche bauen Gemüse and und überall gibt es Kokospalmen, Bananenbäume, Jackfruitbäume und vieles mehr. Dörfer bedeutet auch gerade Strecken und so fahren wir eine Weile auf „ebener“ Strecke, bis wir dann wieder plötzlich ins nichts abbiegen und schmale Pfade runterfahren Richtung Hauptstraße. Da das Gefälle auf den Pisten so abrupt kommt, braucht das Gehirn eine paar Sekunden, um die Steigung in eine gerade „umzurechnen“, so dass nur noch der stark nach vorne fallende Oberkörper an das starke Gefälle erinnert. Mittlerweile sind die Unterarme schon müde und Jojo macht bei jeder Pause Dehnübungen.

Nach einer Weile erreichen wir die Hauptstraße, essen und trinken eine Kleinigkeit und nehmen dann die Itum-Road nach Hause, eine Straße, welche quer über die Insel verläuft und uns noch einmal den Berg hochschickt. Dabei fahren wir nicht nur auf der Hauptstraße, sondern mir bis dahin verborgende Pfaden. Mittlerweile geht auch die Sonne unter und das golden-rötliche Licht schafft für eine schöne Heimfahratmosphäre! 

Heimfahrt

Wer kein Problem damit hat, seine Bremsen zu verschleißen, kann den Berg auch runter rollen. Einmal hab ich das mit einer alter Klapperkiste gemacht und man kann so Problemlos 15-20 Minuten rollen und nur bei ein oder zwei kleinen ebenen Stellen muss man ein paar Meter den Motor anlassen.

Es war ein toller Trip und ich bin dankbar für die Einladung. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich durfte viele neue Dinge lernen und neue Hürden und Ängste überwinden. Leider ist die Kamera nach einer Zeit ausgegangen, da der Akku nicht sehr voll war. Von den schweren Passagen konnte ich leider keine Fotos oder Videos machen, vielleicht schaffe ich es beim nächsten Mal die Kopfkamera voll aufgeladen mitzubringen. Es scheint noch viele Wege auf ihre Entdeckung zu warten und wenn es ein paar Tage nicht regnet, sollten auch diese einfacher zugänglich sein!

Anbei ein kleines Video mit ein paar Eindrücken – wie gesagt, nur vom ersten Teil!

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