Freie Fahrt

Der Sonntag ist zurzeit unser einzig freier Tag, welchen wir gerne intensiver nutzen, um weitere Ausflüge oder längere Besuche zu machen. Durch die Bauarbeiten bleiben am Abend 2-3 Stunden Tageslicht übrig, welche wir zum Einkaufen und für Besuche nutzen.

Heute habe ich mich entscheiden,einen Teil des Tages alleine unterwegs zu sein, da wir in letzter Zeit kaum für uns Zeit hatten. Sarah hat den Vormittag für sich nutzen können – und so bin ich mit unser neu erworbenen Maschine in die Berge gefahren. Vor einigen Tagen habe ich diese aus zweiter Hand erworben und schon ein paar Tage später habe ich sie zur Werkstatt bringen müssen, da ich den Verdacht hatte, das etwas mit der Herzklappe /Zylinder) nicht stimmte – nach Justierung klingt der Motor nun fast normal und nun wollte ich das Teil mal unter Vollast den Berg hochjagen.

XRLE 150

Für die Insel wollten hatten wir vor, eine Honda TMX zu kaufen, welche hier als Maschine für Gewerbe genutzt wird. Damit werden in den Bergen bis zu einer halben Tonne Baumstämme transportiert, also mehr als genug, um uns als Familie auf einem Motorrad überall hinzubringen. Während der letzten Jahrzehnte gibt es unzählige Erweiterungen für das Motorrad, von Dachaufbauten, Querträgen, Seitenlastenträgern, Sitzverlängerungen (so das auch 6 Leute drauf passen) und einiges mehr , welches dieses Motorrad zum Allrounder machte. Mittels einigen Federkomponenten lassen sich wie gesagt sehr schwere Lasten transportieren – für den Personenbetrieb werden die hinteren Federn bis auf eine entfernt. Die Übersetzung des Motors ist bei der TMX also mehr auf Kraft, als auf Geschwindigkeit ausgelegt. Irgendwie kam es aber dann dazu, dass wir eine XR 150 angeboten bekommen haben, welche ein anderes Kraft und Geschwindigkeitsverhältnis hat – eigentlich ideal für die Insel. Vollgeschwindigkeit kann man auf der Insel damit noch nicht erreichen, da zu kurvig und gefährlich, jedoch reicht es schon aus, mit guter Geschwindigkeit über raues Gelände zu fliegen. Auf der anderen Seite kann die XR in schwer zugänglicherem Gelände gefahren werden, was es für mich auch interessant machte, diese dann zu erwerben. Am Ende des Aufenthaltes werden wir dann wieder verkaufen,so das es für uns günstiger ist, als eine zu mieten. In den Koffer passen übrigens einige Kokosnüsse und die Machete – super :)!

Mein erstes Ziel war der höchste Punkt der Itum-Road, eine Straße, welche quer über die Insel verläuft. Camiguin hat auf seiner recht kleinen Fläche 7 Vulkane, so das das Inselinneren bis auf 1600 Höhenmeter ansteigt, mit mehren Gipfeln. Ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h musste ich mein Visier runterklappen, da sonst der Helm durch den Luftdruck nach hinten gerissen wurde – die XR kommt auf gutes Tempo bergauf! Es dauert also nicht lange, bis ich den höchsten Punkt der Straße erreiche und unterwegs kame mir Erinnerungen von meinem letzten Jogginglauf entlang dieser Route (vor 2 Jahren bei Vollmond, Nebel und jeder Menge Glühwürmchen!). Vor zwei Jahren endete die Straße am höchsten Punkt und ich wanderte damals abwärts entlang der Pfade zu einem Wasserfall. Am höchsten Punkt hörte ich immer Wasser rauschen und so wollte ich heute mal in den Dschungel abtauchen,um nach einer kleinen Badestelle zu suchen.

Es dauerte einige Minuten,bis ich die ersten 20 Meter bergab gelaufen bin. Durch die Bauarbeiten hat sich das Abhang in eine Geröllpiste verwandelt und die feuchten Felsen und der dichte Bewuchs machen das Weiterkommen zusätzlich schwerer. Meine Machete konnte ich nicht mitnehmen, da unser Gärtner die Schutzhülle verschlampt hat, wie ich heute feststellen musste – und ungesichert wollte ich die scharfe Klinge nicht mitnehmen. So musste ich dann auf allen Vieren durch eine Wand aus Farn, Dornengestrüpp und so einiges anderes kriechen und durfte schon ein paar tolle Eidechsen sehen.

 

Grenze zum Dschungel

Nach kurzer Zeit erreichte ich dann einen kleinen Fluss, welchem ich dann gefolgt bin. Leider konnte ich die gute Kamera nicht mitnehmen, da diese bei Sarah im Rucksack war, doch reichen die Fotos für einen kleinen Eindruck aus. Hier befand ich mich noch am Steilhang (links) und rechts hinter dem Fluß ging es in den Dschungel, welcher aufgrund der Dichte recht dunkel für Fotos war. Dort fand ich einen alten Pfad, welchen ich eine zeitlang folgte, um dann wieder zurück zum Fluß zu gehen, um nach einer kleinen Badestelle Ausschau zu halten. Viel Zeit hatte ich nicht zur Verfügung, und so wollte ich nach einem kleinen Bad die neu entstandene Straße ausprobieren, um zu sehen, wohin sie diesmal führt.

Badewanne

Das Wasser war herrlich kühl und kristallklar und ich werde sicherlich noch einmal für eine längere Tour herkommen – leider ist Anfang der Strecke zu gefährlich für die Kinderchen. 

Riesenfarne

Viele Stellen des Flusses waren überdacht von Riesenfarn, welcher einige Meter Spannweite beträgt. Viele Libellen tummelten sich dort und bunte Vögel verschiedener Arten kamen und badeten sich nach einem kurzen Sturzflug in dem sauberen Wasser. Hier gab es kein Zement, keine Touristen und kein Plastik. Wunderbar!

für mich neuartige „Früchte“

Auch wuchsen hier interessante Samenkapseln oder Früchte, welche ich noch nicht benennen kann. Bei Gelegenheit werde ich mal anfragen. Der Boden war überseht mit riesigen Blättern und die Steine waren mit feuchtem Moos überzogen. Sonnenlicht hat seine Schwierigkeiten, den Boden zu erreichen, aber die nahrhafte, sehr dünne Humusschicht auf dem Boden reicht dennoch aus, um für üppiges Wachsum der verschiedenensten Arten von Gewächsen zu sorgen. An einer Stelle fand ich ein Gebilde aus Kokosnussschalen, dessen Form für mich kein Sinn ergab. Erst dachte ich an ein Grab, aber nichts innerhalb der Mauer aus Kokosnusschalen wies darauf hin, dass etwas vergraben wurde. Für eine Verkohlungsstelle war diese zu klein und zu gut belüftet und eine Stelle für ein Ritual ergab für mich auch keinen Sinn, da ich in dieser Gegend nicht ausreichend über die animalistischen Glaubensarten informiert bin, welche auch diverse Zauberein mit einschließt. Aus Langeweile wurde hier nichts gebaut, da die Menschen dafür einfach zu Faul sind und so musste ich die Stelle mit einer Frage mehr verlassen. 

Steinrutsch

Die neue Straße ist sehr breit gebaut worden, womöglich um noch mehr Touristen in Bussen zu dem weiter unten gelegenen Wasserfall zu bringen. Die Hänge wurden beim Durchbrechen der Berge nicht ausreichend gesichert und ermöglichen so einiges an Erosion und so ist die Straße anscheinend oft blockiert, denn ich passiere einige Stellen, die nach frischen Steinrutschen aussehen. 

gutes Testgelände

Ein Teil des Weges war noch Baustelle, da hier eine Brücke gebaut wurde – ich schaute eine Weile zu und genoß den Philippino Style. Immerhin nutzen sie auch recht dicken Stahl – neulich hab ich eine kleine Zementsache abreißen müssen und anstelle von richtigem Stahl wurde fast schon dünner Draht eingesetzt, so dass es eigentlich kaum Einfluss auf die Stabilität des gebauten hatte. Gerne hätte ich länger zugeschaut und mich informiert, wie sie genau vorhaben zu bauen, aber die Zeit heute war knapp und ich musste weiter. Ich werde mit Aaron noch einmal wiederkommen. Der Bagger fährt ein wenig zur Seite, so dass ich durch den frischen Sand fahren kann und die neue Maschine bringt mich auch hier sicher durch – eine gute Entscheidung.

cement madness

Drei Kilometer später erreiche ich dann den Wasserfall, welcher vor zwei Jahren nur mit einer Wanderung zu erreichen war. Nun ist cement madness eingekehrt, um die Touristen zu dem kleinen Wasserfall zu bringen. Hier wurde viel „terra forming“ betrieben und im Hintergrund sieht man ganz gut, wie unsicher der Hang eigentlich ist. Es gibt kaum Bäume mit tiefen Wurzeln auf der Hangspitze, die das Erdreich halten könnten. SO dürfte bei jedem starken Regen immer mehr von dem Gelände abrutschen, wie eine Sandburg, die zu dicht am Meer gebaut wurde. Naja, was macht man nicht alles für ein bisschen Geld.

Ich war recht schockiert, als ich gesehen habe, was aus dem einst so natürlichen Wasserfall geworden ist. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, den Eintritt zu bezahlen, um den Wasserfall anzuschauen. Vor zwei Jahren gab es hier noch keine Straße und ich musste über Felsen klettern und ein wenig dem Fluß folgen, um zum Wasserfall zu kommen. Nach einer etwas überteuerten Kokosnuss bin ich dann wieder umgekehrt und die Strecke zurück gefahren, da ich sonst außen um die Insel fahren musste, was mich mehr als eine halbe Stunde gekostet hätte. Und hier in den Bergen machte das Fahren noch viel mehr Spaß!

Zuckermais

Aufgrund der Höhe und der damit verbunden Kühle wuchs Zuckermais entlang der Straße, welcher auch unterwegs gekocht angeboten wurde. Aber kein Hunger – vielleicht beim nächsten Mal!

Zuhause wartete ein kleines Schläfchen auf mich, sowie die kleine Familie, welche die Zeit, in der ich weg war, bei Freunden verbrachte. Einige Wege am Seitenrand des Flusses habe ich entdecken können, welche ich auf jeden Fall noch einmal genauer untersuchen möchte – meistens ausgetrockenete Nebenflüsse. Diese sind frei von Bewuchs und leichter zu wandern, als querfeldein und auch Sarah klang begeistert!

Da fällt mir ein….morgen sollte ich nach der Schutzhülle der Machete suchen,man weiß ja nie, wann wieder ein größeres Zeitfenster aufgeht. Auch haben wir heute eine grobe Richtung erhalten, in welcher man einen in den Bergen verteckten Wasserfall finden kann. Dazu muss man allerdings 2 km wandern, da noch keine Straße gebaut wurde – sehr gut!

 

Auf ein neues!

 

 

One Comment on “Freie Fahrt

  1. Ein schöner Reisebericht! Die Bilder gefallen mir gut und man hat das Gefühl, mit dabei zu sein! LG aus dem sonnigen Berlin! Kerstin Bröse

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