auf der Baustelle – Teil 2

Es ist  eine kleine Weile vergangen und wir kommen mit unserem Projekt Stück für Stück voran. Wir haben die geplanten Termin zur Fertigstellung allerdings schon hinter uns gelassen, aber wie auch im Leben schauen wir nach vorne, und nicht mehr zurück. Vieles hat sich als Zeitverzögerung rausgestellt, aber nun ist es soweit, dass wir das ganze alte Holz rundum erneuert haben. Okay, nicht alles, nur noch am Dach fehlen einige Streben, der ersetzt werden wollen, aber immerhin hat das Dach nun einige tragende Elemente.

Arbeiten am Dach

Da weder Sarah noch ich mich einigermaßen mit solchen Arbeiten auskennen, sind wir gleich doppelt gesegnet worden, zum Einen mit Oliver, der der Kopf hinter der ganzen Sache ist und einem seiner Arbeiter, Rich, der sozusagen die Executive ist. Dabei scheint es nichts zu geben, was Rich nicht irgendwie hinbekommt. Er hat übrigens seine Kuh mitgebracht, welche nun seit ein paar Tagen bei uns hinter dem Haus grast. Im Badezimmer, so ist geplant, wird der Boden um 10 cm angehoben, deshalb mussten wir auch die ohnehin schon niedrige Decke um einen halben Meter anheben.

Die alten Dachbleche haben wir beim Entfernen wie alte Dosen aufgerissen, und haben kurzer Hand bei unserem neuen Freund, Carlo, ein paar neue Bleche bestellt. Bei Carlo sind wir sozusagen Stammkunde geworden – denn er hat hier in der Nähe einen kleinen Laden, wo er sämtliche Baumaterialen vertreibt und wir konnten schon einiges von ihm Kaufen und haben uns so Umwege erspart. Mit seinem alten Lastwagen haben sie schon einige Kubikmeter Sand, Betonsteine, Kieselsteine, Zement, Stahl und einiges mehr bei uns unten an der Auffahrt abgeladen – leider wollte sich keiner bereit erklären, das Zeug den Hügel hoch zu schleppen (kein Wunder, denn immerhin haben wir auf 120 m Strecke knappe 30 Höhenmeter). 

In den letzten Tagen haben wir mehr als 30 Säcke zur Baustelle geschleppt, die zwischen 30 kg und 40 kg schwer sind. Dabei kommt uns der kleine Multicab zugute, welcher die Last,  in kleine Portionen aufgeteilt, den halben Hügel hochfahren kann. Nach dem Ausladen müssen wir mit dem schweren Sack auf unserer Schulter dann eine kleine Treppe hoch, einen kleinen Hügel entlang, uns unter einen Kaktus bückend nach links wenden, um eine weitere kleine Treppe zu nehmen, um dann in einem leichten Rechtsbogen zur Baustelle zu kommen – bevor wir allerdings abladen können, müssen wir noch ein paar Hindernisse umlaufen, auf einem 10 cm breitem Holzbrett ins Haus hoch balancieren und dann auf halb losen Brettern zur zukünftigen Küche laufen. Gutes Training für den ganzen Körper – besonders für die rechte Seite meines Körpers, da ich aus motorisch günstigeren Gründen eher mit rechts arbeite. Unser schmächtiger Koch muss auch mit ran, denn sobald die Säcke ankommen, rufe ich ihm gleich „Sir…Exercise“ den Hügel herauf und mit einem kurzen „Sir“ kommt er gleich bergab geschlendert. Auch wenn er einen Zementsack kaum hochbekommt, und die schweren Steinsäcke gerade so zur Baustelle tragen kann, falls er vorher nicht stolpert oder den Sack fallen lässt, ist er doch eine gute Hilfe, denn jeden Gang den ich nicht machen muss, ist ein guter Gang – und um ehrlich zu sein, auch für mich ist das Tragen solcher Lasten ungewohnt, da diese zum einen recht unpraktisch zu halten sind und das Gelände auch noch einiges dazu beiträgt. Jetzt könnte ich schon eine gute Massage gebrauchen – vielleicht reicht es ja morgen die restlichen Säcke zu tragen, die noch unten stehen.

Innenansicht

So sieht in etwa das Gerüst aus, mit welchem wir jetzt arbeiten können. Außenseitig und innenseitig werden wir die Wände mit Zementfaserplatten schließen. Auch einige Fensterfronten haben wir geschaffen, so ist der Raum beispielsweise auf der ganzen Seite, welche einen wunderbaren Ausblick aufs Meer zeigt, mit einer durchgehenden Fensterfront geplant – mit Moskitonetz abgedichtet und mittels querstreben stabilisiert – so spare wir uns die Klimaanlage. 

Zement

Für das Ess“zimmer“ haben wir eine Aufschüttung geplant, und so bauen wir einen kleinen Rahmen mit Betonblöcken, um diesen Rahmen dann mit Erde aus dem Garten zu füllen. Auch hier geht alles ganz entspannt vor sich – da es kein Betonmixer gibt, machen wir das auf die philippinische Variante – man baut einen kleine „Vulkan“ und füllt den Krater mit Wasser – diesen mischt man dann gut durch, dabei darf aber das Wasser nicht austreten, da es sonst die feinen Partikel des Zementes rausträgt und das Mischverhältnis verändert. Auch darf der Zement nicht zu schnell aushärten, da dieser sonst unstabieler wird und reißt. Auch das Wasser sollte sauber sein, möglichst kein Salzwasser, da dieses die Eigenschaft hat, Wasser zu binden und auch den Stahl zum Rosten zu bringen, welcher sich dann ausdehnt und den Zement bersten kann, oder einfach nur die Struktur schwächt.

Sarah mit dem Stemmeisen

Sarah hilft auch fleißig mit, während Rich „JoJo“ spielt – Babysitter. Nun sind schon einige Kubikmeter Erde in den Rahmen gefüllt und müssen noch komprimiert werden. Doch da es hier keine Maschinen dafür gibt, wässern wir die Erde gut durch und komprimieren diese dann mit improvisierten Werkzeug. Gleichzeitig schaffen wir so auch schon Platz für die „Außenterasse“

Gärtnerjunge!

Der kleine Aaron hat heute schon den ersten Bananenbaum gepflanzt. Ein paar Ideen zum Garten gibt es schon – diese Bananen werden zum einen leckere Bananen geben und zum zweiten eine zusätzliche Sichtschutzlinie erzeugen, so dass man vom oberen Haus nicht in die Küche schauen kann. Und sie sehen toll aus, wenn sie groß gewachsen sind und ihre Blätter 2 Meter groß werden und im Regen wie Trommeln klingeln.

Fußboden

Mehr als die Hälfte des Bodens ist schon verlegt, aber das Holz, welches eingelagert ist, wird nicht ganz dafür reichen. Wir könnten zwar mit Mahagoni ein paar nette abwechselnde Akzente setzten, haben uns aber entschieden helleres Holz zu verwenden. Vielleicht Kokosnuss oder wir besorgen uns wieder Gmelina, falls es noch irgendwo vorrätig ist. Im Vordergrund sieht man ganz deutlich das alte und das neue Holz. Die Balken hatten wir bereits vorher zur verstärkung unter den Bambusboden geschoben und nun, wo das Bambus entfernt ist, können wir auch die restlichen defekten Balken absägen und das neue Holz mit Nägeln an Ort und Stelle halten.

Bald werden wir ein paar mehr Sachen einkaufen gehen, Fliesen, Toilette, Dusche, Farben natürlich und auch ein paar Sachen, um neue Kabel, Steckdosen, Sicherungskasten ect. zu verlegen. Hinai Hinai – slowly slowly. Morgen ist ein Tag „relax“, wie Rich sagen würde und so werden wir alle, wie die Kuh, morgen relaxen. Nur Edwin muss ich noch überzeugen, er hält nicht viel von relaxen und möchte morgen mit mir die Steine und den Sand zur Baustelle schleppen (dafür hab ich extra einen zweiten Mann am Montag geordert..naja, dann kann dieser vielleicht relaxen. Mal sehen!).

btw…das ist die Metallsäge! Ich finde richtig Philippino-style!

Enno Goerlich

Anführer des kleinen Wolfsrudel, für jedes Abenteuer zu haben.

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