Holy week – Event auf Camigiuin Island

Eine Woche vor Ostern beginnt auf Camiguin die Holy Week, ein katholisches Spektakel, welches uns bisher erspart geblieben ist – da wir kurz vorher schon zurück nach Deutschland geflogen sind. Denn während dieser Zeit pilgern tausende Menschen aus ganz Mindanao auf die kleine Insel Camiguin und legen einen Teil der Insel regelrecht lahm. Jegliche Touristenattraktion ist dermaßen überfüllt, dass ich an zuhause erinnert werde, an die vollen Züge, die überfüllten Seen im Sommer und natürlich an die Freibäder, welche ich schon seit Jahren meide. Der Ausblick unserer Terrasse zeigt jeden Morgen das gleiche Bild – eine überfüllte Sandbank im Meer, White Island. Außerhalb der Holy Week befinden sich morgens nur eine handvoll Menschen dort, doch seit beginn der Woche gleich White Island einem Ameisenhaufen, der von einer kleinen Armada Fischerboote hin und her transportiert wird. An einem Morgen staunte ich, als ich White Island leer vorfand – jedoch war der Grund dieser, dass sich in der Gegend ein Boot mit Abu Sayaf Terroristen rumtreibt, die bereits auf der Nachbarinsel in ein Gefecht verwickelt wurden, in welchem 9 Menschen starben. Es gibt eine Ausgangssperre für Boote und auch unser Kindergeburtstag, zu welchem wir eingeladen wurden, wurde von 8 Soldaten bewacht-sicher ist sicher. So beobachte ich von der Terrasse die größere Boote, die sich zwischen uns und Bohol bewegen und warte auf einen kleinen Luftschlag der philippinschen Airforce – welcher aber ausblieb. Das wäre mal ein Ausblick gewesen! Es scheint das die Terroristen ihre Strategie ändern, wie auch bei uns in Europa, unvorhersagbar irgendwo zuzuschlagen. Es ist das erste mal seit Jahren, dass sie sich so weit von ihrem Sumpf im Süden bis hierhin vorgewagt haben. 

Aber auch die Abu Sayaf hält die Menschen nicht davon ab, wieder die Insel zu besetzten und weiterhin ihr Ziel zu verfolgen – zum alten Vulkan zu pilgern, wo ein alter Wanderweg ist. 

viel los hier!

Normalerweise ist hier nicht viel los, vielleicht ein oder zwei Motorräder parken hier, die aber eher den Mitarbeitern als Touristen gehören. Heute sieht das ganz anders aus. Autos, welche sich hinter meinem Rücken befinden, während ich dieses Foto geschossen habe, stehen eng aneinander gereiht bis fast hoch auf den Hügel geparkt. 

Sarah und ich sind keine Freunde von Menschenmengen, aber wir haben seit einer Woche das Gefühl, dass Gott uns an den beiden Tagen hier haben möchte und so haben wir uns entschlossen zu kommen. Während der Tage der Holy Week steht fast der ganze Fernverkehr still. Die Fähren sind dermaßen überladen, dass nur noch Einheimische mitfahren dürfen,um an dem „heiligen Berg“ zu beten. Hunderte neue Auto überschwemmen die Infrastruktur von Camiguin, welche nicht auf diese Menge von Autos ausgelegt ist. Die meisten Pilger kommen jedoch zu Fuß, denn es ist Tradition vom Hafen aus, welcher ca. 23 km entfernt liegt, bis zum Vulkan zu pilgern, um diesen dann zu besteigen. Per Motorrad kommt man an einigen Stellen nur noch durch die Straße, indem man auf dem Mittelstreifen fährt, denn links und rechts der Straße befinden sich mittlerweile viele Wandergruppen.

Während der Anfahrt hat Sarah einen verletzten Mann gesehen, so dass wir kurz anhalten,um mit der Gruppe in Kontakt zu treten und für den Mann zu beten. Während Sarah für den verletzten Fuß betet, macht ein Teil der Gruppe Selfies mit mir und Aaron, denn wir sitzen noch „angeschnallt“ auf dem Motorrad und haben Sarah das Gebet überlassen. Der Mann ist überrascht und springt auf und ab, während er seiner Gruppe mitteilt, dass die Schmerzen schon weg sind. Sie wollen dringend weiter und so ergibt sich kein tieferes Gespräch – aber wir sind trotzdem dankbar für diese Situation und machen uns an die letzten Kilometer der Straße.

Quelle: aboutcagayandeoro.com

Der Anfang des Walkways – hier muss der Pilger seine 45 minütige Wanderung beginnen und kommt an jeder Menge Treppen und Steigungen nach oben und kommt an 15 Stationen der Kreuzigung Jesu vorbei, die jeweils einen Aspekt der Kreuzigungsgeschichte herausstellt. Uns fällt ein Mann mit einer Betteldose auf, welcher am Ende der ersten Treppe sitzt. Wir sprechen ihn an und merken, dass er kein Englisch spricht. Mittels Cebuano können wir uns ein wenig verständigen und bekommen heraus, dass er aus Cagayan de Oro kommt und zwei Kinder hat, welche auch mit hier sind. Ein Blick in seine Dose sagt uns, dass es  hier ganz gute Chancen gibt, ein bisschen Geld zu erbetteln. Wir merken, dass er blind ist und er möchte gerne Gebet von uns. Wir beten ein paar mal mit ihm, und er ist bewegt über die Geste – jedoch beginnt er nicht zu sehen, denn er hat keine Augen mehr – so zeigt er uns. Wir wissen, dass es für Gott nicht unmöglich ist und das solche Dinge auch schon geschehen sind, aber nicht an diesem Abend. Der Glaube wächst! Er freut sich trotzdem über uns und wir sind ein wenig traurig, nicht mehr von seiner Sprache zu sprechen. 

Auch wenn wir schon viele Wunder gesehen haben, ist es für uns persönlich noch eine größere Herausforderung für Menschen zu beten, denen Körperteile fehlen und so mischen sich manchmal Zweifel mit ins Gebet. Wir wissen aber, dass Gott ihn heilen kann. Obwohl dieser Mann an einer religiösen Zeremonie gewisser Weise teilnimmt, nehmen wir doch die Leere in seinem Herzen und in seinem Geist wahr und erkennen, dass manchmal eine Begegnung alles ist, was die Menschen in diesem Moment begehren. Wir werden ihn morgen noch einmal treffen, er wird sich an unsere Namen erinnern und unser Wiedertreffen mit einem Lächeln belohnen.

 

Erste Station der Kreuzigung. Die Beschriftung lassen sich kaum noch lesen, denn das Wachs der vielen Kerzen ist bereits über die Inschrift gelaufen und zum Teil entbrannt, so dass Ruß zusätzlich die Lesbarkeit erschwert. 

Eine gute Gelegenheit etwas mehr in die Bedürfnisse der Menschen hier zu schauen und so fragen wir verschiedene Leute nach ihrer Heimat und warum sie hier her kommen und was das ganze zu bedeuten hat – und auch die Sache mit den Kerzen. Verschiedene Antworten bekommen wir, manch einer weiß nicht mal genau, was er hier eigentlich macht – aber da er Katholik ist und die anderen auch Kerzen haben, hat er auch welche. Ein anderer Mann erklärt mir, dass durch diese Kerzen sein Gebet besser Gehör findet und auf meine Frage, ob denn ein Gebet ohne Kerzen kein Gehör findet, weiß er keine so rechte Antwort. Denn immerhin glauben wir Christen ja, dass wir durch unser Gebet mit Gott kommunizieren können und es auch erleben und daher keine Kerzen notwendig sind, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott das entscheidene ist. Eine Frau erklärt mir, dass der Vulkan vor ca. 50 Jahren ausgebrochen ist und seit dem wird jedes Jahr an dem Berg gebetet, um diesen zu „besänftigen“, bzw. den Zorn Gottes zu lindern. Es ist zwar nicht biblisch, aber es ist die logischste Erklärung,die wir an diesem Abend bekommen, weshalb sich tausende auf den Weg zu diesem Berg machen. 

interessante Begegnungen

Viele interessante Begegnungen haben wir auf dem Weg, und haben die Möglichkeit viel von dem weiter zu geben, was wir in den letzten Jahren gelernt haben. Auch ein Grund der Pilgerreise ist Krankheit, oder ein anderes Gebetsanliegen. Diese Frau hat einen Tumor in der Schilddrüse, welcher nächste Woche operiert werden soll. Sie erbittet sich dafür reichlich Segen. Es ist ein sehr nettes Paar und die Frau nimmt das Gebet dankend an und nachdem Sarah die Hände aufgelegt und gebetet hat, merkt sie, wie der Bereich der Schilddrüse warm wird und während des Gespräches erwähnt sie immer wieder, dass es noch warm ist. Ich meine auch zu sehen, dass die Schwellung weniger geworden ist und die Frau ist ganz bewegt und wir können dem Paar viel erzählen, was es heißt mit Gott zu leben und wie er sich das vorgestellt hat. Auch wir hören tolle Sachen von ihnen und wir alle sind überzeugt, dass unser Zusammentreffen kein Zufall ist. Gott wollte nicht, dass wir in ein religiöses System fallen, wo er keinen Zugang mehr zu uns hat, sondern er möchte eine lebendige Beziehung mit uns haben und das schließt auch mit ein, von ihm zu hören und auf ihn zu hören. Der Mann erklärt ein paar Dinge, welche ihm Schwierigkeiten bereiten und die seine Beziehung zu Gott stören können. Als wir ihm dann das Evangelium erzählen, mit den klassischen vier Punkten des Glaubens, der Umkehr, der Taufe in Wasser und im Heiligen Geist und ihm erklären, was damit gemeint ist, ist er sehr interessiert an dem Gespräch und bejaht auch die Hinterfragung der Kindertaufe, da ein Baby ja nicht in der Lage ist zu glauben, oder umzukehren. Wir tauschen Kontaktdaten aus und wollen uns, wenn möglich, die nächsten Tage noch einmal treffen, bevor sie wieder zurück nach Mindanao fahren. Ein Starkregen am nächsten Tag wird das Treffen auf unbestimmte Zeit verschieben, aber wir sind dennoch froh das mitzuteilen, wozu wir hier hergekommen sind und den Kontakt haben wir ja auch noch!

Die Menschen hier sind sehr interessant und es macht Spaß ihnen Fragen zu stellen – auch da wir ja keine Katholiken sind und sie viele Dinge machen, die nicht in der Bibel erwähnt sind, sondern aus Traditionen abgeleitet worden sind. Auch die Stationen der Kreuzigungen sind im Licht des katholischen Verständnisses dargestellt und nicht immer bibeltreu. Wir erleben, dass viele Menschen eine Sehnsucht nach Gott haben, aber ihn gar nicht richtig kennen. Manche stehen wie Hoffnungslos an ihren Kerzen und erhoffen sich, dass sich vielleicht etwas in ihrem Leben dadurch ändert. Eine Gute Frage,die wir an dem Tag stellen konnten war die, wie sie Gott erleben und wie er zu ihnen spricht. Manchen schien das Konzept ganz neu zu sein, für andere war es selbstverständlich, dass es so etwas gibt und das sie es zum Teil auch erleben. 

Es gibt viel Möglichkeit zum Gespräch und auch die eine oder andere Person möchte Gebet haben und es passieren Dinge. Auch lernen wir einige neue Dinge über diese Kultur und über die Nöte der Menschen und ihre Beweggründe hier her zu kommen. Besonders gut gefallen hat mir das Gespräch mit einer Gruppe von Jugendlichen, welche sehr offen waren und bis weit nach der Dunkelheit mit uns gesprochen haben. WIr haben uns für den nächsten Tag zu einer Pizza verabredet und am Abend haben sie uns noch geschrieben, wie sehr ihnen das Gespräch gefallen hat und wie dankbar sie sind. Besonders süß waren die drei Damen mittleren Alters, welche an der Medic Station gearbeitet haben. Gefreut haben wir uns über ihren Glauben und ihre Liebe und sie waren dankbar für unsere Zeugnisse und Ermutigungen – so konnte jeder von uns etwas mitnehmen an diesem Tag und als wir dann gemeinsam dem Abstieg bestritten, haben wir noch gute Tipps erhalten, wo unsere Lieblingssüßigkeiten hergestellt werden und wo wir sie dann billiger bekommen – rein zufällig direkt vor ihrer Schule, wo sie als Kinderkrankenschwester arbeitet. 

Durch die langen Gespräche haben wir es nur bis zur viertel Station geschafft und entscheiden uns umzukehren, denn Aaron liegt mittlerweile bei jedem Gespräch schon auf dem Boden und guckt sich seine Füße an. Unten angekommen gibt es noch ein bisschen was zu futtern – hauptsächlich leckere Süßigkeiten und etwas überteuertes Wasser. Obwohl dort soviel los war, haben wir die Zeit doch genossen und waren froh, dass wir dort hin gegangen sind, um Gespräche zu suchen, weiter zu geben und zu lernen. 

 

2 Comments on “Holy week – Event auf Camigiuin Island

  1. Hallo ihr Süßen, wir wollten Euch einmal, leider nur auf diesen Wege ein Dankeschön sagen für die schönen Berichte an denen wir teilhaben dürfen. Ihr seid so liebe Menschen und helft vielen mit Eurem Dasein , zuhören und lieben Worte spenden. Unser Wunsch ist, macht weiter. Wir wünschen Euch dafür viel Spaß und vor allem Kraft. Drückt Eure zwei kleinen ganz lieb von uns und Ihr seid auch ganz fest umarmt von uns. Ganz liebe Grüße aus der Heimat von Peggy und Ingo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.