Mantigue Island

Mr. Doh, so wie Samuel hier liebevoll genannt wird, schwitzt ordentlich, denn heute ist es richtig heiß. Sommer ist zurück gekehrt und hat dem Tiefdruckgebiet ordentlich eine ordentliche Schelle gegeben. Da kein Lüftchen wehte, haben wir uns heute entschieden, zu einem wunderschönen Strand zu fahren, zusammen mit unseren neuen Freunden Nick und Elisa, welche gerade hier auf dem Grundstück wohnen. Während der nächsten Tage wird es voll werden hier auf Camiguin, dazu schreiben wir sicherlich noch etwas – aber aus diesem Grund haben wir uns entschieden heute auf die Mantigue Insel überzusetzen, bevor tausende Touristen die Insel in Beschlag nehmen, und deren vollbepackten Boote, wie einst die Landungsboote der die Japaner vor knapp 75 Jahren, auf dem Sand kurz vor dem Strand auflaufen.

Aus einem frühen Start wurde nichts, denn es gab noch einige Verzögerungen, so dass wir erst kurz vor beginn der Mittagssonne aufbrechen konnten. Da eines unser Motorräder vor ein paar Tagen kaputt gegangen ist, was Sarah erst bei einer Bergabfahrt merkte, mussten wir eng packen – denn auf dem Motorrad ist nicht mehr viel Platz. Nach einem kurzen Snack-Einkauf in dem Hauptdorf machen wir uns auf den Weg zur anderen Seite der Insel. Von dort kann man den Sonnenaufgang sehen, auf unserer Seite den Sonnenuntergang. Für die Mittagssonne ist der Faktor allerdings nicht entscheidend, denn diese brennt einen die Oberschenkel rot, welche man gerne beim Eincremen vergisst – durch das Aufsetzten auf das Motorrad rutsch die Hose meistens ein paar Zentimeter hoch – fatal! Für mich gibt es allerdings keine Gefahr, denn das ganze Gepäck und die Tüten, welche am Gepäck befestigt werden, spenden meinen Oberschenkeln Schatten, dafür kann ich allerdings die Schaltungen und Bedienfelder nicht mehr sehen und begebe mich auf eine kleine „Blindfahrt“.

Aufbruchszeit. Nur noch die Einkäufe müssen an den Rucksack geschnallt werden.

Püntklich zur Mittagszeit kommen wir am kleinen Hafen an, wo schon die kleinen Fischerboote auf uns warten. Die Hitze ist dank dem Fahrtwind ausgeblendet gewesen, nun schlägt sie aber mit voller Wucht zu. Nachdem wir Zettel ausgefüllt haben, die „Umweltsteuer“ und die Kosten für die Überfahrt bezahlt haben – suchen wir uns unser kleines Boot, um dann nach betreten der Insel wieder eine Gebühr für das Schwimmen und Schnorcheln zu bezahlen. Wenigstens haben sie Kokosnüsse auf der Insel und so suchen wir uns im grellen Sonnenlicht ein Schattiges Plätzchen für unsere beiden Hängematten. Wer jetzt baden geht, verbrennt sich – und so haben wir uns überlegt eine Weile in der Matte zu schaukeln, bis die Stärke des Sonnenlichts etwas nachlässt.

Aaron und sein bestes Fotogesicht, Mr. Doh unwillig für Fotos (Teig) und Sarah

Es ist heute schön heiß, aber leider auch fast windstill. Unsere Stelle bietet uns ein drei Bäume, an denen wir die beiden Hängematten befestigen können – Aaron meinte, dass der Bananenbaum die Hängematte nicht aushält, da dieser „umkippt“, sobald ich darin liege. Den Sandboden kann man hier kaum sehen, denn diese Stelle vom Wald ist nicht sehr aufgeräumt. Das sorgt natürlich auch für viele Viecher, wie Ameisen und Mücken, die hier genug Versteck und Abkühlung finden. Nach knapp einer dreiviertel Stunde ziehen wir um – denn die Mücken werden recht aggressiv und wir haben unser Elektro-Killer-Gerät nicht dabei.

Unter Mangrovenbäume ist es zwar nur spärlich schattig, aber es gibt hier nur einen Bruchteil der Mosquitos, wie an der anderen Stelle. Ein paar Snacks später mache ich mich bereit, um schnorcheln zu gehen. Vor zwei Jahren habe ich genau an dieser Stelle mein Tommelfell perforiert, als ich tief getaucht bin. Normalerweise habe ich damit keine Probleme, möglicherweise war einer ein Infekt im Ohr, welches das Gewebe starrer macht und es so leichter reißt. Heute ist alles gut gegangen und ich habe ein paar tolle Sachen gesehen – viele verschiedene Fische, jede Menge Korallen und Pflanzen. Keinen Hai. Aber auch keine Schildkröten. Die einzige Schildkröte auf der ganzen Insel ist Samuel, aber er ist heute in einer leicht gereizten Stimmung und möchte nicht krabbeln und tiefe Furchen durch die Insel graben. Ein kleines Video mit eindrücken gibt es an Ende des Eintrages.

 

Zirka 15 Minuten braucht man, um einmal um die Insel zu laufen. In der Mitte der Insel wohnten eins viele Fischer, welche von der Regierung aber „eingeladen“ wurden, die Insel zu verlassen, um in den Bergen etwas neues anzufangen. Ein Fischer als Bauern klappte noch nie so gut, das geht nur in der Politik. Einige sind allerdings noch da geblieben – das hat den Vorteil, das es frischen Fisch und Muscheln zu kaufen gibt, welche diese Familien dann gleich zubereiten. Es hat aber auch den Nachteil, dass die Insel im Kern mehr und mehr zuwuchert. Ansich eine tolle Sache, da die Natur sich die Insel zurück holt, aber auf der anderen Seite gibt es kaum noch freie natürliche „Buchten“ zwischen den ganzen Bäumen, an denen man sich setzten kann. Vielleicht wird es die gegen eine entsprechende Gebühr in Zukunft ja wieder geben ;).

Der Strand ist fast durchgehend leer. Bis auf ein paar Kanadier, welche aufgrund ihrer roten Hautfarbe leicht zu erkennen sind, gibt es am Strand kaum Menschen. Je später es wird, desto mehr kommen aus den Schattenzonen der Mangroven und tummeln sich am seichten Wasser. Um zu den Riffen zu kommen, muss man eine Weile durch Knietiefes Wasser schwimmen, da gerade Ebbe ist. Manche mögen das nicht, da bei einem Seeigel Bauch einziehen gefragt ist, sonst läuft man auf. Auch Korallen und scharfe Steine können einen schaden, falls man nicht aufpasst. Meinen Pizzabauch ziehe ich ordentlich ein und auf dem Bauch liegend schiebe ich mich vorwärts Richtung Riff. Es ist wunderbar, mal wieder im Meer unterwegs zu sein. Dank dem Trommelfellriss war das letzte Jahr nicht mehr ans Schwimmengehen zu denken und nun bin ich Gott um so mehr dankbar, dass wieder alles in Ordnung ist und ich auch diesen Teil der Schöpfung genießen kann.

Abfahrt

Vier Stunden sind rum, um nicht noch mehr zu bezahlen, machen wir uns auf den Heimweg. Auch wollen wir noch in der Lagune von Camiguin vorbei schauen, um uns dort mit einem Kokosnussshake zu erholen. Dort gibt es interessante Fische zu sehen, welche neben Krebsen in abgegrenzten Bereichen im Meerwasser der Lagune gehalten werden – diese kann man sich dann zum Teil selber fischen, und wenn man das nicht hin bekommt, sucht man sich einen passenden Fisch aus, und diese werden dann mit einem kleinen Kescher geborgen, bekommen einne auf den Deckel und landen dann im Topf zur Fischsuppe, oder auf dem Grill. Hmmm..auch lecker. Aber kein Hunger – ich warte auf die Pizza heute abend – und so bestellen wir uns Shakes und eine große Limo-Suppe, die so voller Glutamat ist, dass sie schleimig ist, aber köstlich schmeckt und an eine Art Hühnersuppe erinnert.

Drachenfliegen

Zurück auf Camiguin angekommen erwarten uns schon freundliche Fischer. Drachen wecken Aaron´s Interesse und er schaut zu, wie die kleinen Dinger hoch in den Himmel steigen. Ein Fischer sieht Aaron´s Interesse und bindet einen der Drachen los, damit Aaron die durchgerostete Büchse mit dem langen Faden zum Spielen nehmen kann. Dabei lacht er fast zahnlos und sogleich ist Aaron in eine andere Welt versunken, in der es nur noch den Drachen und ihn gibt – und natürlich die Aussicht auf den Saft in der Lagune. Wir haben die Regel, dass er nur einen Saft am Tag trinken darf, so fragt er im Anschluss lieber nach einem „Wasser mit Geschmack“ oder ein „Getränk mit etwas Zucker“ in der Aussicht, noch einen zweiten Saft zu bekommen. Neulich hatte er einen Tag Pizzaverbot – dort kam er dann am Nachmittag zu uns und sagte, das er noch nie in seinem Leben eine Pizza gegessen hätte und das er schon ganz dünn geworden sei. Ich liebe den kleinen Mann einfach, hab mich schon richtig an ihn gewöhnt.

die Gang

Es ist gar nicht so leicht Aaron zum Gehen zu bewegen. Während er noch ein bisschen mit dem Drachen spielt und ich ihm dabei helfe, ist Sarah in ein paar gute Gespräche Versunken und einer der Fischer nimmt gleich die Gelegenheit wahr und schnappt sich Samuel – Mr. Doh, denn er fühlt sich genau so an wie fertiger Pizzateig. Aber es hilft nichts. Wir müssen weiter zur Lagune, denn bis die Sonne ganz untergegangen ist, gibt es noch viel zu entdecken. Heute ist Vollmond und der Sternenhimmel ist wolkenlos. Zum Motorradfahren reicht eigentlich das Mondlicht aus, aber es gibt ja noch die anderen Verkehrsteilnehmer. Es war ein toller Tag mit unseren beiden neuen Freuden und wir hoffen, dass die nächsten Tage noch einmal eine Möglichkeit zur Flucht bietet, bevor die ganze Insel eingenommen ist von den ganzen Touristen, die erwartet werden.

 

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