Camiguin – unser Zuhause

Wir sind nun für zwei Wochen auf der Insel Camiguin, welche wir bereits mehrmals bereist haben und welche unser Zuhause auf den Philippinen geworden ist. Auch haben wir schon tolle Sachen erlebt und einige entspannte Tage verbracht. Während der ersten Woche haben wir viel Zeit für innere Prozesse verwendet und sind nicht viel unterwegs gewesen, mit Ausnahme der Aktivitäten mit unserer Arbeitskollegen. Diese Woche hatten wir dann den Startschuss und waren an einigen Projekten beteiligt. Wir haben zum Einen unsere alten Freunde einer Gemeinde hier besucht und konnten schon tolle Gespräche mit ihnen führen und ein paar organisatorische Gespräche sind noch in der Warteschleife, zum Beispiel möchten wir einmal gerne in das hiesige Krankenhaus gehen und einen kleinen Einsatz dort machen. Anfangs der Woche waren wir bei einem kleinen Outreach beteiligt, und haben ein paar Häuser hier in den „Bergen“ besucht, was ganz spannend war. Es regnete allerdings in Strömen, so dass ich meine Kamera zuhause lies, doch erfreue ich ich immer wieder über die Einfachheit der Dinge hier oben.

Das Wetter schlug noch einmal um, ein Tiefdruckgebiet hat sich hier gebildet und es regnete tagelang, manchmal deutet das auf einen kommenden Taifun hin. Zirka zwanzig Taifune suchen die Philippinen jedes Jahr heim, das kann über das ganze Jahr verstreut sein. Aus Amerika hören wir oft von einem Hurrikan, hier hören wir oft von einem Taifun – der Unterschied zwischen den beiden tropischen Wirbelstürmen ist die geografische Lage, in der sie entstehen. Taifune werden die Wirbelstürme hier in süd-ost Asien genannt, sowie in bestimmten Zonen des Pazifiks. Das warme, großfläche Wasser begünstigt deren Entstehung. Ich erinnere mich an unseren letzten Katastropheneinsatz vor zwei Jahren in einem verwüsteten Gebiet abseits der Zivilisation, in denen wir Zugang zu Dörfern hatten, die man sonst nicht betreten kann. Dort hatte eine Taifun ein Gebiet komplett zerstört, welches in etwa die Größe eines Bundeslandes hatte. Mit komplett zerstört meine ich wirklich komplett zerstört – über 95% der Bäume wurden entwurzelt und die Menschen konnten nirgends Zuflucht suchen und waren dem Sturm ausgeliefert. Gemeindemitglieder sind in einen kleinen Betonmischer gesprungen – philippino-style Schutzbunker quasi. Auf Camiguin stürmt es aber nicht so heftig, da die großen Inseln, welche drumherum liegen, für genug Reibungsfläche des Sturmes sorgen, dass es hier nur zu kleinen Ausläufern kommt. Gestern bin ich mit einer kleinen Gruppe in eins der hiesigen Gefängnisse gegangen, für die fast wöchentliche Gefängnisarbeit. Einen Beitrag dafür werde ich in Zukunft noch einmal schreiben, wenn sich die Zeit findet.

Dieses Mal wollten wir nur ein paar Eindrücke teilen, wo wir gerade leben – denn das scheint einige zu interessieren.

unser „Kubo“, Hütte

Das Grundstück von meinem Vater ist einige tausend Quadratmeter groß und es stehen 3 Häuser darauf. Ein großes, in dem mein Vater wohnt und das Restaurant ist, dann zwei kleinere, die vermietet werden. Eins der kleineren Häuser ist ein „nativ“ Kottage, in welchem wir uns gestern eingerichtet haben. Zuvor haben wir in dem anderen Haus gewohnt, welches aber für einen Teil unseres Aufenthaltes vermietet ist. Unser Bett ist schön bequem, da wir gewohnt sind auf dem Fußboden zu schlafen, haben wir die Matratze auf den Dachboden gebracht. Mit uns zusammen freut sich einer ganzes Ameisenvolk dieses Bett zu benutzen. In den Hohlräumen des Bambus haben sie sich eine schöne Hütte eingerichtet und laufen nun tagsüber und früh morgens im Kreis auf den großen Bambusträgern entlang, sozusagen parallel zu unser Schlaffläche. Da sie aber auch Nachts fast zur gleichen Zeit wie wir ins Bett gehen, haben wir erst Einmal nichts gemacht.  Da sie nun aber doch etwas früher aufstehen als wir, versuchen wir uns gerade in verschiedenen Giftagenden. Es gibt „Giftkreide“, welche tatsächlich funktioniert. Die Ameisen überqueren die gemalten Striche nicht, allerdings müsste man dann das ganze Bett ankreiden, da es überall kleine Brücken gibt, Fäden z.B.. Eine interessante Überlegung ist auch, nur die vier Beine rundherum anzumalen, so dass die Ameisen dann nicht das Bett verlassen können – man könnte sozusagen eine kleine Studie machen. Einige Tage haben wir ja noch Zeit.

luftig – die Ameisen tanzen bereits auf dem Rahmen um uns herum

Da das Haus eine sehr offene Bauweise hat, ist es innen schön luftig. Der Boden besteht aus Baumbus, welcher niemals dicht abschließt. Zum Teil sind die Spalten wenige cm breit und man kann unterhalb des Hauses schauen, da, wo die kleinen Wespen und Hornissen ihre kleinen Löcher in den Sand buddeln. Da dort kein Regen hinkommt, hat sich der Sand unterhalb des Hauses in eine kleine Kraterlandschaft verwandelt, gebildet von den kleinen Löchern und aufgeschütteten „Hügelchen“ der Insekten. Auch bestehen die Wände größtenteils aus Fenstern und der kleine Raum verfügt über 2 Türen nach außen, welche zusätzlich für Frischluft und Tageslicht sorgen, solange man sie offen lässt.

Offene Bauweise bedeutet auch, dass das Haus offen ist für diverse Besucher. Neben den Ameisen haben hier auch Käfer, Kackerlaken, Geckos und noch vieles mehr Zutritt. Manchmal tummeln sich Mäuse oder Ratten auf dem warmen Dach, welche hier irgendwo ihren Bau haben – manchmal auch eine rattenfressende Echse. Dann „schlägt“ es ein paar mal auf dem Welldach, ein kleines quicken ertönt und dann ist Ruhe. Gut so. 

Blick aus der offenen Tür

Samuel wacht wie gewohnt kurz vor 6 Uhr auf, zu früh für uns alle – so schnapp ich mir die kleine Eule und wir gehen mit der Kamera eine kleine Runde über das Gelände spazieren. Die Sonne ist bereits aufgegangen und begrüßt uns durch die offene Tür. Ihr Licht ist bereits angenehm warm, ohne uns zu verbrennen – sie lädt dazu ein sich in die Sonne zu legen, aber der Kleine möchte entdecken. Ich erinnere mich auch daran, dass ich die nächsten Tage dringend meine Hängematte aufhängen möchte – über eine Distanz von 20 oder 30 Metern, das sollte bei dem Hang eine ordentliche Schaukel werden – das klingt nach netter Spielerei! Aufgrund des Regens der letzten Tage habe ich an der Idee noch nicht wirklich arbeiten können und ich versuche schon seit geraumer Zeit ein altes Seil aus einem der Bäume zu befreien, ohne es zu zerschneiden. Die Knoten sind bereits so festgezogen, dass sie sich gar nicht bewegen.

Blick auf unser Cottage

Samuel und ich gehen vorbei an ein paar blühenden Bäumen und Pflanzen, das Gras ist weich wie ein Moosfeld und die Luft duftet bereits nach Bäumen und Blumen aller Arten. Hier oben gibt es kaum Fahrzeuge, so hören wir den bekannten Ruf der Kuh, welche unterhalb unseres Grundstückes an einem Reisfeld wohnt. Von weit her kommt das Geräusch einer Motorsäge, welche man hier relativ oft hört. Ab und zu kräht ein Hahn – ein paar Vögel, welche noch in Freiheit leben, grüßen uns mit ihrem Gesang. 

Frangipani

Blüten des Frangipani liegen wie Blätter auf dem Boden herum und ich erinnere ich an die vielen Wellnessfotos, auf denen diese Blüten zu sehen sind. Hier liegen sie wie welke Blätter auf dem Grundstück herum und werden vom Winde in alle Ecken des Gartens geweht. Im Hintergrund sieht man ein paar an der blühenden Hecke hängen. Auch der Duft ist wirklich toll.

Hibiskus

Mein Ziel war einst, alle Blütenarten auf dem Grundstück zu fotografieren, aber das würde zulange dauern. Klein Samuel findet die verschiedenen Farben auch alle toll, vielleicht glaubt er aber auch nur, dass es etwas zu essen ist. Hibiskus könnet ja Papaya sein!

Haupthaus

Um von ganz unten nach ganz oben zu gehen, muss man ca 30 Höhenmeter überwinden, d.h. das Gelände ist an einigen Stellen sehr steil und besonders für Motorradfahrer eine große Freude, welche sich den steilen Weg hoch und runter trauen. Viele, uns eingeschlossen, sind beim Hochfahren gescheitert und gestürzt, haben sich Prellungen und Bänderrisse zugeführt.

mein Lieblingsbaum

Im Hintergrund rechts sieht man meinen Lieblingsbaum. Dieser ist bereits sehr alt und man findet viele menschliche Eingriffe an diesem Baum, die vor einigen Jahrzehnten stattgefunden haben. Verzwirbelte Äste, eingepropftes Hartholz und so einiges anderes machen den Baum interessant.

Samu und ich gucken noch ein wenig der Teigrührmaschine zu, bis uns die großen Mücken vertreiben – heute sind die Damen besonders hungrig.

die zwei Hüttchen

Die Aufsicht nach dem Aufstieg lohnt sich immer wieder, zum Glück habe ich heute nichts vergessen. Sarah und Aaron schlafen noch und Samu und ich gehen weiter auf Entdeckungstour, denn der Kleine saugt die Natur in sich auf.

Terrasse

Beim letzten Besuch waren hier noch keine Tische. Während des letzten Jahres hat Enzo hier oben ein kleines Restaurant eröffnet, mit wenigen, ausgewählten italienischen Speisen – der best seller ist wie gewohnt seine Pizza, welche auf der Insel schon Kultstatus hat. Viele Pizzafreunde, die in den anderen Restaurants der Insel enttäuscht wurden, kommen hier her, um sich dann dankbar und zufrieden wieder auf den Weg nach Hause zu begeben. 

Frühstückstisch

Das frischgebackene Brot ist schon fast fertig und wir riechen schon diese kleine Köstlichkeit. Es wird Zeit zum Frühstücken. Meine tägliche Qual der Wahl ist, ob ich den italienischen Espresso mit Kaffebohnen aus Camiguin vor, oder nach dem Frühstück trinken sollte. Neulich bin ich an dieser Farm vorbei gefahren und würde dort gerne einmal vorbei schauen.

Unter freiem Himmel lässt es sich auch gut aushalten, da die Sonne noch nicht so stark ist. Samu entdeckt hier gerne die verschiedenen Blumen und ab und zu guckt er sich die verschiedenen Treppenstufen an, an denen gerne Ameisen entlanglaufen. 

auch die Kokosnuss ist interessant

Viele Früchte wachsen hier auf dem Grundstück. Kokosnüsse, Jackfruit, Papaya, Avocado, Calamansi und eigentlich auch Tonnenweise Mangos, aber Enzo behandelt die Bäume nicht, so dass sie keine Früchte tragen.

Außenansicht

Hier oben war vor zwei Jahren mein Lieblingsort, um bei Nachmittagssonne und einer leichten Brise kühler Meeresluft zu lesen. 

Aussicht mit Blick auf White Island

Hier oben kann ich den ganzen Tag sitzen und das Wetter beobachten – ich verstehe so langsam die alten Menschen, die den ganzen Tag am Fenster stehen und Überwachungskamera spielen. Besonders liebe ich den Sonnenuntergang – erst heute war er wieder herrlich anzusehen. Gegen 17 Uhr taucht das Sonnenlicht die Insel in goldenes Licht,  und die aufsteigenden Rauchsäulen der verbrannten Blätter erzeugen tolle goldene Lichteffekte in den Rauchwolken. Für die Mosquitos ist dies die beste Zeit, in Strömen fliegen sie zwischen 17 Uhr und der absoluten Dämmerung umher, so dass man in dieser Zeit am besten mit einem Visier fährt, und sich in windigen Gegenden aufhält. Dies ist auch die Zeit, in der die meisten Menschen hier ihre zusammen gekehrten Blätter verbrennen, um durch den Rauch die Mosquitos fern zu halten – allerdings auf Kosten der Gesundheit, denn der viele Rauch sorgt bei vielen Menschen, auch Kindern, für chronischen Husten.

meine Hauptnahrungsquelle

Sarah hat sich mal ein wenig in Pizzafotografie geübt – denn für das heute neu eröffnete Restaurant in der Innenstadt wurde noch ein Motiv für das Plakat gesucht. Die Pizza ist wirklich die Beste hier im ganzen Umkreis, wenn nicht sogar in ganz Mindanau und darüber hinaus. Auf jeden Fall hat sie das Siegel einer Napoli-Pizza und schmeckt so gut, wie in kaum einer Pizzaria in Berlin. Wir freuen uns, an so einem Ort zu wohnen, wo es eine tolle Aussicht und jede Menge kostenlose Pizza und Pasta gibt.

Ich sollte die Zeit zum Lernen nutzen, wie man richtige Pizza backt. Dann nur noch einen Garten mit einem Steinofen besitzen und auch der Sommer in Deutschland wird italienisch!

3 Comments on “Camiguin – unser Zuhause

  1. Wau! Der Bericht ist Klasse ! Gott segne euch weiter! kann man euch eigentlch besuchen?
    Ganz liebe Grüss auch an Sarah

    • PS: Bett ausräuchern und dann die „Füße“ in Wasser stellen, dann kommt nix mehr, keine Ameisen zumindestens

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