Camiguin Island

Nach einer Reise, die zwei Tage gedauert hat, erreichten wir zur Mittagszeit Camiguin Island. Nachdem wir ein paar Wochen Regen und viele Wolken sahen, ist dies nun der erste Tag, an dem wir einen klaren, blauen Himmel haben und auch über der Insel gibt es keine Wolkenkuppel mehr, wie ich es sonst gewohnt bin von Camiguin. Bisher bin ich nur kurz vor Beginn der Trockenzeit hier gewesen. Jetzt befinden wir uns mitten in dem Umschwung von Regenzeit zur Trockenzeit. Für die nächsten Wochen werden wir in einfachen Umständen bei meinem Papa leben und uns überwiegend von süditalienischer Steinofenpizza und besten Pastagerichten ernähren. Eine weitere Überraschung erwartet uns, denn ein paar Arbeitskollegen sind für ein paar Tage auf Durchreise in Camiguin und wir haben ein paar Tage zusammen, welche wir zum Erkunden der Insel nutzen wollen.

Hier auf Camiguin fühle ich mich am wohlsten, es ist mein zweites Zuhause in den letzten Jahren geworden und ich freue mich immer wieder aufs neue, diese besondere Insel zu besuchen. Touristen sagen, dass diese Insel etwas ganz besonders ist – oft gefällt es ihnen besser als die meisten touristischen Gegendender Philippinen, wie beispielsweise Cebu, Bohol oder auch Palawan. 

Blick auf Camiguin, heute Wolkenfrei

Bis wir mit der Fähre übersetze konnten, mussten wir 12 Stunden mit dem Bus fahren, und eine Nacht in Butuan übernachten. Zuerst war geplant einen Nachtbus zu nehmen, dann um 4 Uhr Morgens den Bus zu nehmen, aber der Gesundheitszustand unserer Kleinen (hatten Durchfall) sorgte dann dafür, dass wir die entspannte Tour mit Übernachtung geplant haben. Während der Fahrt hat man Ausblick auf die tolle Natur von Mindanao und obwohl ich diese schon auf dem Weg nach Surigao bewundern konnte, scheint sie heute um einiges farbenfroher zu sein, was an dem gutem Wetter zu liegen scheint.

Zuhause angekommen

Unser erster Tag begann gleich damit, das neue Restaurant von Enzo,meinem Vater, zu begutachten. Beim letzten Besuch hatte er sein Restaurant noch unten an der Hauptstraße gehabt und nun hat er sich einen längeren Wunsch erfüllt und das Restaurant in kleinerem Stil auf sein Grundstück in die Hügel verlagert. Nun kann man die Pizza mit gutem Ausblick genießen und es schmeckt gleich noch besser – denn auch die Teigherstellung hat sich verändert und es wird immer weiter experimentiert.

Opa Enzo beim Kochen

Jeden Morgen haben wir die selbe Routine. Unser kleinster Stinker wacht pünktlich wie ein Deutscher um 6 Uhr morgens auf, egal wie anstrengend der Tag vorher auch gewesen ist, oder wie viele Ratten und Leguane uns den Schlaf raubten. Sobald ich richtig wach bin und einigermaßen klar sehen kann, schnapp ich mir die Jungs und gehe hoch zum Restaurant, denn es ist Zeit für ein Espresso – einen richtigen! Im Anschluss wird der Teig für den kommenden Tag zubereitet und Enzo erklärt mir ein paar seiner neusten Rezept-Geheimnisse, welchen den Teig noch besser machen und in der Tat hat sich einiges geändert, obwohl es vorher schon viel zu gut schmeckte.

Blick von der Terrasse auf unsere Bleibe

Während Aaron hilft, die Zutaten in die Mischmaschine zu kippen, legen wir zwei Teigkugeln in den noch warmen Steinofen, der nach Abkühlen in der Nacht nun die richtige Temperatur hat, um köstliches Brot zu backen.  Der Teig für das Brot ist nun schon über 24 Std. alt und entfaltet so sein richtiges Aroma und seine richtige Struktur. Für einen guten Teig ist die Reihenfolge der Zutaten, das richtige Mischverhältnis, die richtige Lagerung und natürlich ganz viel Zeit nötig. 

Aaron und das frisch gebackene Brot

Sobald die Brote fertig gebacken sind, geht es ans Frühstück. Aaron bestellt sich meistens drei Spiegeleier, obwohl ihm nur eins erlaubt ist. Irgendwie hat er die Mitarbeiter auf seine Seite gezogen und kann mit seinem wenigen  Englisch schon seinen Einfluss geltend machen. Nach dem Frühstück wird der Tagesablauf geplant und das kann sich bis zum Nachmittag hinziehen, denn hier spielt Zeit nicht so eine entscheidende Rolle. 

Während der ersten Tage verbringen wir viel Zeit mit meinen Arbeitskollegen und vertreiben uns die heißen Tage in kalten Quellen oder auf White Island, einer ca 3km entfernten Sandbank, die die Form eines Halbmondes hat. Von dort aus haben wir einen guten Blick auf Camiguin und können sogar das rote Dach unseres Hauses erkennen. Auch gibt es hier keine Mücken – prima!

Sarah auf White Island

White Island nenne ich auch gerne die Mikrowelle, da es hier keinen Schatten gibt und ich muss oft schmunzeln, wenn ich die krebsroten Touristen sehe, wenn sie nach ein paar Stunden White Island wieder auf Camiguin abgesetzt werden. Die kühle Meeresluft und der starke Wind, den es dort fast immer gibt, lässt einen das Verbrennen der Haut kaum merken. Um nach White Island zu gelangen, fährt man mit einem kleinen Katamaran, der von einem kleinen Motor betrieben wird. Diese Bote werden hier auch von den Fischern genutzt – vor einigen Jahren war die Überfahrt nur mittels der Fischer möglich, aber mittlerweile hat sich vieles an den Tourismus angepasst. Tourismus bedeutet nicht immer etwas gutes – oft verliert sich damit die Identität des Gebietes, die Natur wird verändert und die natürlichen Sehenswürdigkeiten werden mittels menschlicher Hand in etwas künstlich wirkendes verwandelt, für das man dann auch noch Geld bezahlen muss. 

Mittagessen mit meinen Kollegen

Meine Hauptnahrungsquelle zurzeit besteht nur aus deftiger Pizza und Pasta und dem köstlichen Weizenbrot am Morgen. Es besteht kein Bedarf woanders zu essen, aber manchmal ist man unterwegs so ausgehungert, dass wir uns eines der vielen Restaurants an der Küste aussuchen. Während der letzten Jahre sprießen Resorts und Restaurants aus dem Boden, in der Hoffnung von dem Kuchen etwas ab zu bekommen, den die nun jährlich steigernde Anzahl an Touristen auf Camiguin mitbringen. Meine Kollegen haben ihre Reise in Thailand begonnen und sind dann über diverse Hotspots der Philippinen gereist und nun auf Camiguin abgekommen, bereuen sie ihren kurzzeitigen Aufenthalt hier – denn diese Insel ist für sie das bisherige Highlight. Da auch meine Kollegen etwas mit Krankheit zu kämpfen haben, konnten wir die geplanten Vulkanwanderungen nicht machen, aber wer weiß – das Jahr ist noch lang und mal schauen, wer sich wieder hier blicken lässt!

Samuel „Blabla“ am Strand

Wir bleiben auf White Island bis kurz vor Sonnenuntergang, bevor uns die Fischer wieder in ihre Boote rufen – denn bei Dunkelheit wollen sie nicht mehr so gerne die Strecke fahren (anders als noch vor ein paar Jahren). Auch Samuel scheint es hier zu mögen und schiebt seinen massigen Körper durch den zarten Sand, der besonders gut schmeckt. Das gute an dieser Insel ist, dass sie für jedes Wetter Aktivitäten bietet – an kalten und regnerischen Tagen kann man entweder gut Sport machen (trail running beispielsweise) oder in den warmen Vulkanquellen baden und an den heißen Tagen kann man sich den kalten Quellen, dem Meer oder den windigen, kühlen Bergen zuwenden. Manchmal bleiben wir auch einfach hier und genießen die Aussicht. 

Quellen

An zwei Tagen waren wir im Haus eingeregnet und hatten keine Lust uns weit vom Haus zu entfernen. Motorradfahren macht dann nicht besonders viel Spaß und auch auf dem Pickup ist nur der Fahrer und Beifahrer trocken. Da der Regen trotzdem warm ist, lässt sich auch ein Spaziergang in Hausnähe jederzeit einplanen.

Aaron wartet auf den nächsten heftigen Schauer

Manche Blätter werden bis zu 2 Meter groß und können die Familie vor dem Regen schützen. Für klein Aaron reichte dieses knapp 1,5m große Blatt. Der letzte Regen hat Aaron so beeindruckt, dass er heute nur mit Schwimmbrille rausgehen möchte – keine schlechte Idee, finde ich, da gerade bergauf mit Gegenwind und starkem Regen das Spazierengehen nicht unbedingt Freude macht. 

Die erste Woche auf Camiguin ist nun rum und wir fragen uns beide so ein bisschen, was Gott mit uns hier vor hat. Auf der einen Seite merken wir deutlich, das wir nun sehr viel Zeit für uns alleine haben und auch alle Entscheidung unabhängig von dem Umständen selber treffen können und zum anderen merken wir, dass jeder von uns sich wieder mehr auf Gott ausrichten möchte und nun genug Zeit dafür da ist. Die erste Woche hat schon viele Erkenntnisse gebracht und wir sind gespannt, was die nächste Zeit hier so bringen wird. Wir wissen noch nicht genau, wie lange wir auf Camiguin bleiben, aber wer weiß das schon auf solch einer schönen Insel!

Wir haben jetzt übrigens einen neuen Lieblingsplatz für den Sonnenuntergang. Das hat zwei Vorteile – zum Einen sehen wir den Sonnenuntergang und zum anderen ist es am Meer so windig, dass wir zur Haupt-Mücken-Zeit nicht an einem windstillen Ort sind, wo die Mücken uns unsgehindert stechen können. Ich habe einmal ein kleinen Test mit meiner Kamera gemacht, leider gibt es einen kleinen Sprung, als ich an die Schlaufe der Kamera gekommen bin – schaut doch mal rein :)!

 

One Comment on “Camiguin Island

  1. Wir bedanken uns sehr für die schöne Zeit mit euch!! ? Wir haben es sehr genossen und kommen definitiv wieder!
    Claudia, Tizi, Resul

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