Samal Island Erstkontakt

Es ist 7 Uhr und ich hüpfe schnell aus dem Bett, bevor die Kleinen wach werden und die Hälfte der Kaffeeenergie aufbrauchen. Vor dem Haus ist es bereits heiß und das Wetter hat sich zum Guten gewendet, denn das Tiefdruckgebiet ist weiter gezogen und hinterlässt nun keine tiefen Pfützen und kalte Luft, dafür schafft es aber Platz für blauen Himmel und jede Menger Hitze. Super. 

Nach dem Frühstück geht es zu acht im Auto auf den Weg zum Hafen, an dem die Fähre nach Samal ablegt. Der Verkehr von Davao ist etwas besonderes, es gibt eigentlich jeden Tag Stau, da das Straßennetzwerk nicht klug angelegt wurde und auch der Fokus in zukünftigen Investitionen kaum auf Straßen gerichtet ist. So nehmen wir heute die Diversion Road, welche zum Glück vierspurig ist, jedoch auch ihre Tücken hat – so zum Beispiel eine der drei Brücken, die den Davao River überquert. Aus einer vierspurigen Straße wird dank der zweispurigen Brücke ein Nadelöhr, so dass wir schon vom Hügel aus den Kilometerlangen Stau sehen. Klimaanlage funktioniert schon lange nicht mehr, der Fahrtwind fehlt und der Auspuff des LKWs neben uns pustet unsere Kabine mit ungefilterten Abgasen voll. Gut, dass wir so früh losgefahren sind, denn der Verkehr ist für Davao Verhältnisse noch sehr gut. Wenig später, also eine Stunde oder so, sind wir dann am Hafen, der nur 20 Km entfernt ist. 

Ablegestelle nach City Garden Samal Island

Fähren sind hier so eine Sache, ich erinnere mich an eine Fähre, die vor ein paar Jahren mit ein paar hundert Menschen gesunken ist. Das Gute daran war, dass eine andere Fähre schnell zur Hilfe gekommen ist, das Schlechte daran war allerdings, dass sie beim Versuch zu Helfen ebenfalls sank und so die Anzahl der Toten noch ein Mal um ein beträchtliches Ausmaß gewachsen ist. Nur noch schnell eine weitere negative Sache des Unglücks zu nennen, veränderte sich darauf hin der Fahrplan Richtung Camiguin, unserer Heimatinsel bis dato und eine der Inseln, auf der ich als Kind aufwuchs, zum Negativen. So kann man die Überfahrten dazu nutzen, sich Notfallpläne auszudenken, z.B. woraus kann man in kürzester Zeit eine Art Floß, Schwimmweste oder Luftsack basteln. Vielleicht sollte ich das bei der nächsten Überfahrt nach Camiguin mit Aaron machen, denn die Überfahrt nach Samal dauert nur ein paar Minuten und ich bin diesmal mit dem Ausblick beschäftigt. 

Blick zurück zum Sasa Hafen

Als die Fähre ankommt, setzt sich die in Menschenmenge Richtung Terminal in Bewegung, die vielen Motorräder fahren ohne Rücksicht auf Verluste durch die Menschenmenge, um sich möglichst schnell am Ausgang zu befinden, wo sie dann mit Ticketabgabe in die Freiheit entlassen werden. Hach, was freue ich mich schon auf unsere Motorräder. Eine Fähre transportiert an dieser Stelle alle Fahrzeuge mit bis zu 6 Rädern, ein Motorrad zur Überfahrt mit zu bringen kostet nur einen Euro, für unser voll bepacktes Auto zahlen wir auch nicht mehr als vier Euro. 

phlegmatischer Kapitän

Dank der Sonne kann ich auch noch ein wenig nach Philippino-Style Ausschau halten, denn ist es heiß und sonnig, legen sich viele Philippinos einen Lappen oder ein kleines Handtuch auf dem Kopf und befestigen dieses mit Knoten (Hausfrauenstil), einfaches auflegen ohne Befestigung (lässiger Stil) und zum Beispiel dem Gangster Stil, was an Kopftücher diverser Gangs erinnert, auf den Kopf. Natürlich gibt es noch viele Arten der Lappenkunst hier zu entdecken, und ich schmunzel immer wieder aufs neue, wenn ich eine neue Art entdecken kann. 

Neben der Anlaufstelle befindet sich eine kleine Werft, in der eine ausgemusterte Fähre repariert wird, oder verschrottet wird – das lässt sich hier nicht oft nicht klar voneinander unterscheiden. Auf Samal angekommenmacht sich schon der erste Unterschied deutlich bemerkbar, die Luft kann man hier wirklich Luft nennen und meine Nase nimmt wieder bekannte Gerüche der Bäume und Blumen auf. Samal liegt unmittelbar an Davao aber aufgrund der fehlenden Straßenanbindung ist die Entwicklung hier zum Teil schlechter als in den entfernten Bergen von Davao – was mir besonders gut gefällt. Je weniger Tourismus, desto weniger wird zerstört. Je mehr Menschen kommen und je mehr „Fortschritt“ kommt, desto schneller geht alles den Bach herunter und nach wenigen Jahren vermisst man schmerzlich, was man einst nicht Wert geschätzt hat und auch der dann erworbene „Reichtum“ tröstet dann nicht mehr über das verlorene hinweg.

Bananen im Garten – wer entdeckt die Papayabäume?

 Während der Autofahrt spült die saubere Landluft Davao aus dem Auto und alle scheinen in Ruhe die Natur in sich aufzunehmen. Sattes Grün, viele verschiedenen Bäume unterschiedlicher Größe, die Plantagen und die einfachen Kubo, Hütten aus Bambus mit Neepadächern, sowie bunte Blumen lassen unser aller Herz aufgehen. Die Kinderchen hängen mit ihren kleinen Köpfchen aus dem Fenster oder schauen gespannt nach draußen. Zementdschungel und echte Natur sind schon ein großer Unterschied und mir wieder bewusst, um wie viel schöner die Natur ist, gemessen an dem was der Mensch erschaffen kann – ob das wohl an dem Größenunterschied der Schöpfer liegt?

Unser erstes Ziel ist ein großer Versammlungsplatz, wo wir kurz anhalten wollen um zu schauen, ob es möglich ist ein Raum oder ähnliches zu Mieten, welchen man als Treffpunkt nutzen kann. Dort treffen wir einen alten Mann, der uns seine Geschichte erzählt, wie er von seiner Frau zur Rente hin verlassen wurde und seine Familie sich aus Arbeitsgründen auf den Philippinen verteilt hat. Nun lebt er allein in einer Hütte und freut sich auf baldigen Besuch. Am Ende konnten wir mit ihm über das Angebot Gottes reden und mit ihm beten und er war sehr dankbar für diese Begegnung.

Starbucks

 Spazieren gehen auf der Insel ist wirklich traumhaft und erinnert mich an Camiguin, nur das es in Camiguin keine Rebellen und keine Entführungen in naher Vergangenheit gab. Die Insel scheint sehr abwechslungsreich zu sein und neben dem üblichen Dingen wie das Tauchen gibt es hier auch diverse Höhlen zu erkunden, Wasserfälle zu besuchen oder die 9 Inseln dieser Inselgruppe als Tagesziel zu wählen. Die samalischen Mangos gehören mit zu den süßesten auf den Philippinen, und von den Farmen haben wir einige gesehen – am Tag darauf stand sogar im Gespräch, eine dieser Mangofarmen, die zum Verkauf angeboten werden, zu übernehmen. Hundert Mangobäume waren schon immer mein Wunsch, daneben noch ein paar Kokospalmen und Bananen und es ist alles da, was zu leben reicht. Wunderbar.

überall gibt es etwas zu entdecken

Nächste Station ist der Kaputian Beach, wo wir unser Mittagessen einnehmen wollen. Dort am Stand gibt es auch eine kleine Pumpboat Station, wo man mit kleinen Katamaranen zur zweit größten Insel dieser Inselgruppe fahren kann. Im Truck liegt schon ein großer Korb mit Früchten bereit, Kokosnüssen haben wir unterwegs „nachgeladen“ und frischer Fisch wird hier am Strand von den Fischern gekauft und gegrillt. So dauert es nicht lange und wir liegen  nach erster Erkundung des Strandes und nach dem reichlichen Essen in einer Hängematte oder faulenzen am Strand und im Wasser rum. 

Kleine Mittagsruhe

Da die Mittagssonne brettert, sieht Aarons Kopf bald aus wie ein braunes Ei, dessen Schale am oberen Pol bereits geschält einen Blick auf die helle Haut ermöglicht. Die Stelle hat sich nach der Rasur nicht rechtzeitig nachgebräunt und der Sonnenhut war ein Störfaktor des hier herrschenden Freiheitsgefühls, aber immerhin war es am Ende des Tages nur eine leichte Rötung und reichte zum Glück auch zum schnellen Einschlafen.

Baden im kühlen Nass

 Das Wasser hat hier angenehme 28 Grad, genau richtig für mich und nach dem Plantschen mit den Kids kann ich die Schwimmbrille auspacken und ein paar Strecken schwimmen, wobei die Strömung deutlich auffällt. Strände auf Samal sind meistens in Privatbesitz, so dass man je nach Strand unterschiedliche Eintrittspreise bezahlt. Wir sind an einem günstigen Strand gelandet, der dafür über eine Grillstelle und genug Platz zum Sitzen verfügt – und darüber hinaus nicht weit von unserem nächsten Besuchspunkt entfernt liegt (über den ich aber nichts berichte).

 

Besonders lecker war das Mangotiramisu!

Wir werden demnächst mal eine Woche hier am Strand verbringen, man hat die Möglichkeit direkt am Strand zu zelten, so dass wir die Woche nutzen wollen, um die Insel mehr zu erkunden und auch nach einem Haus zu suchen, welches man mieten kann. Unser Herz schlägt schon für diese Insel und es scheint soviel zu entdecken zu geben, dass ich am liebsten gleich morgen noch einmal mit einem Motorrad herkommen möchte, um auch die schwer zugänglichen Gebiete zu erkunden. Das kommt alles zu seiner Zeit.

pump boat

Die Fischer genießen ihre schnellen Boote und es kommt gelegentlich zum Wettbewerb. Ich erinnere mich einmal bei hohem Wellengang in solch einem Teil gesessen zu haben. Da der Motor nichts gegen die Wellen anrichten konnte, stellte der Fahrer den Motor ab und wir trieben bei Nacht ein wenig ins Meer ab, bis wir mit einem anderem Katamaran fast zusammen stießen – da es Nacht war, konnte man nur ein paar Meter weit sehen und so trieben wir in die Fangnetze. Zum Glück schafften wir es doch noch irgendwie zurück zu kommen. 

Albert leiht mir sein Motorrad für eine kurze Fahrt

Sarah und ich freuen uns schon sehr, wenn wir wieder kommen können. Sobald die Sache mit dem Führerschein geklärt ist und wir die Motorräder abholen können, geht es los für einen erneuten Pionier-trip nach Samal Island. 

Ein schöner Ausblick zum Aufwachen, finde ich!

Bei Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zurück nach Davao und bereits auf der Fähre fängt es an in Strömen zu regnen. Davao hat uns wieder,  der Regen wäscht den Dreck aus der Luft, aber die Eindrücke von Samal bleiben in unserem Herzen. Klein Samu stellt sich während der Fahrt ans Fenster und guckt mit seinen Knopfaugen in die regnerische Nacht hinein, die Härchen schon Nass vom Regen – was würde ich geben, um einmal in diesen kleinen Kopf hineinschauen zu können, zu erfahren, wie er diesen Tag wahrgenommen hat. Aaron kannschon sprechen und fragt uns noch während der Fahrt, wann wir wieder zurück zum Strand fahren. Bald Aaron, bald! 

Regen in Davao

Anbei noch ein kleines Video, welches eher als Testvideo gilt :)!

Enno Goerlich

Anführer des kleinen Wolfsrudel, für jedes Abenteuer zu haben.

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