Valencia Bukidnon – Seminar

Gegen 20:00 Uhr mache ich mich auf den Weg, um mich mit ein paar Freunden am Busbahnhof zu treffen. Während ich mich zum Treffpunkt begebe, brüllt die Musikbox des Jeepny Partymusik in die Kabine  und der Fahrer fährt nur mit einer kurzer Unterbrechung – um zwei Blinden über die Straße zu helfen – mit ordentlichen Tempo durch den Verkehr Richtung Treffpunkt. Einige Freunde sind bereits dort und wir warten zusammen auf den Rest der Truppe, die eigentlich mit einer Größe von 13 Personen geplant war, jedoch zur Abfahrt 20 Personen betrug.

Busbahnhof Davao

Wartende Personen haben hier die Möglichkeit mittels der Klappliegen auf den nächsten Bus zu warten – natürlich keine Garantie auf mögliche Diebstähle.  Unser Ziel ist das Herz von Mindanao, Bukidnon. Valencia ist das Herzstück dieses Gebietes und ist bekannt für seine reichhaltigen Ernten, vor allem Zuckerrohr wird hier angebaut. Der Gedanke an ein paar ordentliche Stangen Zuckerrohr weckt in mir die Freude, da es hier in Davao zurzeit kein Zuckerrohr gibt. Valencia wird auch die Stadt der goldenen Ernten genannt, ich bin gespannt ob es sich tatsächlich so verhält.

 Bukidnon liegt um einige hundert Höhenmeter höher als Davao, so dass es dort recht kühl und feucht werden kann – und vor allem Nachts sind die Straßen in den Bergen für ihren dichten Nebel bekannt. Mittlerweile ist die Truppe komplett und wir entscheiden uns einen Van zu nutzen. Neben den Buslinien gibt es hier auch Unternehmen, die sich auf Van´s spezialisiert haben – der Unterschied ist grob erklärt das der Fahrer eines Van´s die selbe Strecke deutlich schneller zurück legt, da er zwischendurch sein Gehirn für ein paar Stunden abschaltet und nur noch Vollgas fährt. Busfahrer verhielten sich vor ein paar Jahren auch noch so, aber mittlerweile müssen sie sich ein wenig zügeln, sodass ich mir gut vorstellen kann, dass einige der ehemaligen  Busfahrer nun in einem Van sitzen und um die Spitzenzeiten eifern. Ich frage mich, wie wir alle in einen Van passen sollen, da diese offiziell nur für max. 13 Personen ausgelegt sind, und wir auch noch über ein gewisses Maß an Gepäck verfügen…aber mittlerweile bin ich so etwas ja gewohnt und gehe die Sache ganz entspannt an, denn ich habe gelernt, die Philippinos nicht zu unterschätzen. Tatsächlich sind wir nach kurzer Zeit alle verstaut, und wir fahren mit 21 Personen los Richtung Valencia.

Wir wurden dort von einer kleinen Gemeinde eingeladen, die gerne mehr lernen möchte über die Dinge, die unsere Kirchenkultur verloren hat und so wurde ein zwei tätiges Seminar für dort entworfen, wo ich auch die Möglichkeit hatte die Dinge weiter zugeben, die wir auch erst im letzten Jahr erlebt und gelernt haben. 

Die Fahrt war mal wieder ein Erlebnis, vollgestopft bis unters Dach fuhr der Fahrer sogleich mit Vollgas los und schlängelte sich durch den Verkehr bis zur Stadtgrenze, was sich dank der glatten Straßen nicht groß vom Jeepnyfahren unterscheidet. Kritisch hingegen wurde es, als wir in die bergigen Gebiete kamen, dessen Straßen neben vielen Serpentinen und Schlaglöchern auch ohne Vorwarnung Stufenlos von Zement in Piste übergehen können. Den mittleren Teil der Fahrt würde ich anders beschreiben, als meine sonstigen Fahrten bisher – obwohl ich am Fenster saß, hatte mein Kopf mehr Kontakt mit der Decke, als mit der Fensterscheibe – was schon für ordentliche Schlaglöcher gepaart mit ordentlichem Tempo spricht. Besonders in Erinnerung habe ich die Kurze Pause mitten im Nirgendwo – es war einer der hellsten Sternenhimmel, die ich bisher gesehen hab und die Ruhe eine willkommene Abwechslung vom Lärm in Davao- vermissen tue ich nur die Wärme hier oben, denn es ist in der Tat wirklich kalt und feucht, zum Glück gibt es aber keinen Nebel heute. 

Wir kommen weit nach Mitternacht an und verbringen die Nacht in einem Haus, dessen Besitzer ich nicht kennen gelernt habe. Dort lerne ich ein neues Wort in Cebuano kennen – „tapad“. Dazu muss ich erklären,dass die Philippinos ein ganz anderes Verständnis zum Thema schlafen haben, als wir Deutschen. Währen wir unsere Ruhe und den Platz genießen, und auch darauf bestehen, ist es bei den Philippinos ganz anders. Da die Zimmer für die Anzahl der Familienmitglieder sehr klein sind, schlafen sie alle zusammen und für sie ist es eher ungewohnt, wenn sie alleine schlafen müssen – dann fühlen sie sich oft unwohl und ängstlich. Tapad bedeutet soviel wie „Seite an Seite“ oder „nah bei einander“, d.h. einige Freunde riefen schon durch den Raum „kuya, áli tapad ta!“- du kannst hier neben mir schlafen. Gegen 3 Uhr schlafen dann die meisten, nur um dann gegen 6 Uhr wieder zum Frühstück geweckt zu werden.

 Die Universität von Valencia befindet sich auf einem riesigen Grundstück, auf welchem tolle Gärten angelegt sind und für mich ist es das erste Mal seit langem, die schöne Natur zu genießen. Auf diesem Grundstück wurde ein Seminarraum gemietet, und in den wenigen Pausen verbrachten wir die Zeit gerne unter den riesigen, alten Bäumen. Die Lehreinheiten waren spannend, auch wenn nicht sehr viel neues für mich dabei war – aber das war ja auch nicht der Grund. Witzig waren immer die Übersetzungen, da ich nicht gut genug Cebuano spreche, und einige von dort nicht ausreichend Englisch sprechen – zwar können alle gut das Englisch verstehen, aber nicht alle können es flüssig sprechen. Am Abend zuvor hab ich erfahren, dass ich gar nicht übersetzt werden muss, so dass ich einen Teil meines Vortrages dann mit spontanen Inhalten fülle, um auf die angegebene Zeit zu kommen. Durch die geplante Übersetzung hatte ich den Vortrag auf die Hälfte gekürzt, aber zum Glück kann man bei solchen Themen einen halben Tag durch reden, wenn man möchte. Das Thema, welches mir auf dem Herzen lag war das Thema Identität – denn je mehr wir verstehen, wer wir in Gott sind, desto mehr kann Gott auch durch uns wirken. Mit ein Grund des Seminars lag auch darin zu zeigen und zu lernen, wie Gott heute noch wirkt, z.B. heilt, und da wir schon vieles erlebt haben, war ich gespannt, was wir als Gruppe heute und morgen erleben werden. 

Im Laufe des Tages hatten wir auch die ersten Wunder erleben dürfen und diese Frau erzählt von ihrem. Sie hatte ein Herzproblem seit ihrer Kindheit und war nicht mehr in der Lage kurze Strecken zu gehen, ohne das ihre Herzfrequenz stark erhöht war und sie heftig atmen musste. Ihre Herzkammern waren bereits so vergrößert, dass die Ärzte sie so schnell wie möglich operieren wollten. Nach dem Gebet ging sie raus und rannte umher,ohne diese Atembeschwerden zu haben und war sichtlich bewegt! Auch am nächsten Tag, als wir dann raus gingen, war sie sehr aktiv und hatte auch das erste mal seit Langem keine Probleme mehr mit Treppen. Das war nur ein Beispiel von vielen, was an diesem Tag passiert ist.

Auch am nächsten Tag blieb es spannend, als wir in die Stadt gefahren sind, um dort für kranke Menschen zu beten. Die Gruppe, mit der ich unterwegs war, gingen in eines der örtlichen Krankenhäuser. Nicht alle Krankenhäuser sind mehr offen für Gebet, da die Krankenhäuser dann nicht mehr soviel verdienen. Wir teilten uns dort im Krankenhaus auf und hatten knapp eine Stunde Zeit. Im Ersten Krankenzimmer lagen zwei verletzte Männer, der eine hatte ein Motorradunfall und war sichtlich zugerichtet und der andere Mann hatte sich in einem Kampf eine Schnittwunde mit einer Machete im Gesicht zugezogen. Wir teilten unsere Vierergruppe auf und ich und ein Freund beteten für den Mann mit dem Motorradunfall. Er hatte starke Schmerzen im Nacken und in seiner linken Schulter, sowie Bewegungseinschränkung in der Schulter. Nach dem Gebet waren seine Nackenschmerzen und seine Schulterschmerzen weg und er konnte den Arm wieder normal Bewegen. Einzig die Schürfwunden konnte er noch spüren, und war dankbar, dass wir vorbei gekommen sind. Auch der Mann mit der Schnittwunde hatte keine Schmerzen mehr, aber wir durften den Verband nicht abnehmen, um weiter nachzuschauen.

Da wir nicht mehr viel Zeit hatten, gingen wir noch einen Raum weiter, in dem eine junge Frau lag, mit Magen und Darmgeschwüren. Sie war zusammen mit ihren beiden Geschwistern im Bett und schauten wie hier üblich fern. Als wir ihr erzählten, dass wir Gebet anbieten, willigte sie ein und wurde auch gleich geheilt. Sichtlich erstaunt war sie dann offen für das, was wir ihr erzählen wollten und als ich die drei dann fragte, ob sie gläubig wären, antworteten sie, dass sie jeden Sonntag in eine Kirche gehen. Ob sie denn da auch Gott begegnen, wollte ich wissen, da ich weiß, dass es in den meisten Fällen der Kirchen nicht der Fall ist -da das System rein menschlich getragen wird. Als sie verneinten und ich sie dann fragten, warum sie dort hingehen, wussten sie nicht so recht, was sie antworten sollten. Das ist das Problem bei den meisten Gläubigen und Religionen, dass sie zwar viel machen, aber im Grunde nie Gott begegnen. Darauf hin schalteten sie den Fernseher ab und wir konnten ihnen erzählen, wie einfach es ist, Gott zu begegnen, und was sich darauf hin alles in ihrem Leben ändern kann. Die drei waren sichtlich bewegt und wollten gerne mehr wissen. Das war eine tolle Begegnung und am Ende wollten sie noch gemeinsames Gebet und Kontaktdaten von uns. Ich mag den Gedanken nun gesund im Krankenhaus zu liegen und nicht so recht zu wissen, wie man es jetzt den Angestellten erklärt. 

Auch die anderen hatten tolle Erlebisse, von denen ich jetzt nicht viel Berichten kann, das würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Als Beispiel ein Kind mit einem Leberschaden. Mein Freund Allan hatte noch eine tolle Begegnung mit einem DSA Agenten, einem „Dead Squad Agent“. Diese befinden sich under cover und bewaffnet an verschieden Orten und erledigen jeden Kriminellen, den sie sehen können, besonders Drogendealer und Süchtige, auf frischer Tat ertappt –  oder sie arbeiten „auf Liste“. Ein wenig dringt ja auch in unsere Medien vor.  Allan erhielt den Auftrag diesen Mann zu finden,anhand einer Beschreibung und wenig später in der Nähe des Busbahnhofes stand dann ein Mann nach exakt der Beschreibung in der Nähe der Büdchen. Dieser entsicherte auch gleich zu Beginn des Gespräches seine Waffe, aber Allan wusste, was er antworten musste und sagte dem Mann, dass er umkehren muss von seinem Weg und ob er Gebet bräuchte. Darauf hin entsicherte er seine Waffe und war dankbar für die Zurechtweisung, mal sehen wie es damit weiter geht. 

 Viele Geschichten gibt es noch zu erzählen, wie zum Beispiel 7 Leute kurz nach Mitternacht in einer kleinen Box getauft wurden,  in der gerade mal ein Philippino passt – oder von all den witzigen Situationen durch die unterschiedlichen Kulturen. Besonders war auch das Erlebnis mit dem Security, der gerade zu einem Einsatz humpelte (etwas ist wohl auf seinen Fuß gefallen und er konnte ihn nicht mehr aufsetzten) – wir durften für ihn beten und er konnte danach wieder auftreten und ist dann zu seinem Auftrag gefahren. So langsam macht es richtig Spaß in die Kultur einzutauchen, Dinge zu sehen, die man als Tourist so nie erleben würde. Ein Eintrag im Blog reicht einfach nicht aus für all die Eindrücke und Erfahrungen dieses Wochenendes, aber daran muss man sich einfach gewöhnen! So viele Leben gesehen zu haben, die berührt wurden, ist einfach was einmaliges. 

 

Am Abend erzählten wir uns dann einige der erlebten Geschichten und ich freute mich wieder Tintenfisch Adobo zu essen, gekocht in Kokosnussessig und Soyasouce schmeckt Tintenfisch einfach super. Auf dem Rückweg hatten wir nochmal Verstärkung im Van. Diesmal war die Karre so voll, dass sogar links vom Fahrer ein Mädel sitzen musste. Der Angestellte, der für die Mitfahrer verantwortlich war, saß irgendwo zusammen gefalltet, so dass ich nur seinen Kopf unterhalb der Türklinke sehen konnte. Ich saß unmittelbar hinter dem „Notfallsitz“, welchen man herunter klappen konnte. Diesen teilten sich nun drei Leute für die mehrstündige Rückfahrt, obwohl es keine Rückenlehne gab und wir alle deutlich übermüdet waren. Immerhin fuhren wir auch erst gegen 22 Uhr ab und wir wechselt uns in der Sitzposition ab, so dass jeweils einer sich mit seinem ganzen Rücken anlehnen konnte, und die beiden Sitznachbarn jeweils nur mit einer Schulter.

Gegen Mitternacht hielten wir noch ein Mal an, um uns zu Stärken. Hierfür werden die Zwischenstationen genutzt, wo es fast die ganze Nacht durch etwas zu kaufen gibt. Z.B. Nudeln, Trockenobst, Süßigkeiten und Getränke. Der Nebel war an diesem Tag sehr dicht, so dass ich schon mit Verspätung rechnete, aber der Fahrer bretterte einfach im „normalen“ Tempo weiter, vielleicht – so dachte er – sehen die vier Augen auf dem Fahrersitz mehr, als nur seine beiden. Der LWK vor uns verlor bei einem Schlagloch eine beachtliche Menge seiner Zuckerrohre und hätten wir nur ein wenig mehr Platz gehabt, so hätte ich doch noch mit den leckeren Stöckchen nach Hause fahren können. So suche ich weiter nach meinem Zuckerrohr und ich freue mich schon auf die nächsten Touren durch das Land. Schon lange war ich nicht mehr so müde und auch heute noch merke ich die Auswirkungen der Reise und des Schlafmangels – das Alter halt!

Zwischenstation

 

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