Sparflamme

Neben mir schläft das kleine Baby, welches liebevoll „Mr. Meatball“ genannt wird. Die Hitze der ersten Tagen sowie das plötzlich auftretende starke Sonnenlicht verwandelte seine zarte Haut in eine Mondlandschaft aus Hitzepickelchen und Reaktionen auf die Sonne – wir waren noch nicht vorsichtig genug. Aus diesem Anlass haben wir uns entschieden, den kleinen erst einmal vor ein paar Tagen Sonne zu bewahren, um ihn dann langsam an das Licht zu gewöhnen. Passend dazu habe ich mir etwas eingefangen und war für zwei Tage mit Fieber und Muskelschmerzen außer Gefecht. Auch gab es gestern das erste Erdbeben, aber mein Sofa hat die Vibration abgefangen und der Rest meiner Familie hat geschlafen. 

Die letzten Tage waren sehr ruhig und wir waren kaum draußen. Wir nutzten die Zeit, um etwas Ordnung zu machen und den täglich wachsenden Berg an Wäsche zu waschen. Die meisten Philippinos waschen die Wäsche mit der Hand. Dazu kaufen sie in einen der vielen Lädchen winzige Tüten mit Waschmittel, eine Tüte reicht dabei für ein-zwei Waschgänge. Shampoo, Seife, Lotion, Waschmittel, löslicher Kaffe und vieles mehr kauft man in kleinen Tütchen, die in etwa so groß sind wie ein gefalteter Geldschein. Diese sind mit einer kleinen Abrissnaht miteinander verbunden, so dass man sich z.b. einen Meter löslichen Kaffe kaufen kann. Das schafft sehr viel Verpackungsmüll, aber auf der anderen Seite können sich die Philippinos so diese Sachen kaufen, da sie oft das Geld für die großen Verpackungen nicht haben. Sparen ist nicht ihre Stärke, ich hörte einmal einen Vergleich, der dies ganz gut zu treffen scheint. Schenkt man einem Philippino 1mio. Peso, so ist in ein paar Tagen nichts mehr davon da und sie leben so weiter wie vorher. Sie leben in den Tag hinein und machen sich nicht große Gedanken um die Zukunft, was wohl auch damit zusammen hängt, dass es hier rund um das Jahr reichhaltige Ernten gibt und nicht wie bei uns für einen Zeitraum zurseite gelegt werden muss, in welchem wir kaum ernten können. 

Auch nutzen wir die Zeit um die Gegend rund ums Häuschen zu erkunden. Aaron und seine neue Freundin sind auch dabei unzertrennlich und so begleitet sie uns, während wir das Leben um uns herum entdecken. Unsere Gastfamilie ist in diese Gegend gezogen, da die Häuser hier an einem Hügel gebaut sind, so dass die Häuser höher gelegen sind als der Großteil der Stadt. Im Falle einer Überschwemmung verlieren sie so nicht wieder einen Großteil ihres Hab und Gutes , wie es vor ein paar Jahren der Fall war. Da der Hügel hinter dem Haus unmittelbar ansteigt, muss man auf der Straße gut aufpassen, da die Motorräder, manche Autos und die Tricycles ohne Motor den Hügel herunter rollen und sie so nur in letzter Sekunde für uns hörbar werden. 

Die Tricylces findet man an fast jeder Seitenstraße. Die Hauptstraßen, welche grundsätzlich überfüllt sind, bieten keinen Platz mehr für diese praktischen Transportmittel. Für ein paar Peso fahren sie einen dann bis vor die Haustür. Ein echter Philippino läuft nicht, so erzählte mir einmal eine Frau unterwegs, denn wer Geld hat, lässt sich fahren, auch wenn es nur kurze Strecken sind, z.B. hundert Meter bis zur Hauptstraße. Hier bei uns dürften die Fahrer gut schuften, denn nach unserem Haus steigt der Hügel steil an und am höchsten Punkt sind es über 60 Höhenmeter. Das ganze fahren diese Fahrer ohne Gangschaltung und zum Teil mit bis zu 3 Personen bergauf.

Die Gärten sind meistens gut gepflegt und das ganze Jahr über kann man eine Vielzahl von Blühenden Pflanzen bewundern. Je älter das Grundstück, desto schöner und größer sind die  Bäume, Sträucher und Pflanzen. In Vielen Gärten wachsen Papayabäume und andere Leckerein. Früh am Morgen, wenn die Sonne noch nicht brennt, macht der Spaziergang besonders Freude. Eigentlich sollte ich mir mal die Familie schnappen und uns mit einem Tricycle durch die ganzen Seitengassen fahren lassen. Die Straßen hier tragen alle Namen von Planeten und es wirkt auch so, als wären wir nicht auf Planet Erde. 

Heute hab ich mich auf den Weg gemacht um etwas Briefpapier zu kaufen, und habe den Weg über die Seitenstraßen genommen, um nicht an der lauten und dreckigen Hauptstraße gehen zu müssen. Dort gabs einiges zu entdecken, z.B. diesen Schrotthändler, der Metall und Ersatzteile bunkert und sie dann im Falle einer künftigen Reperatur gebrauchen zu können. Recycling ist, im Falle von Metall, hier für Vieles unablässlich.

An fast jedem Grundstück gibt es andere Blumen zu entdecken, viele kenne ich noch gar nicht. Diese Blume war über eine ganze Wand verteilt und quoll regelrecht über das Grundstück und alleine an der Außenseite waren schon hunderte Blüten. Vielleicht gibt es hier in der Nähe einen Imker. Bienen habe ich noch keine hier gesehen. 

Am Ende meines Spazierganges kam ich an einem kleinen Markt vorbei, welchen ich überqueren musste, um das Briefpapier zu kaufen. 

Hier gibt es auch viel Obst und Gemüse zu kaufen, bis auf manche speziellen Sachen. Die Letzten Tage wurden die Mangos knapp, so dass es auch auf den öffentlichen Markt keine mehr zu kaufen gab – zum Glück haben wir ein kleines Lager im Garten. Jackfruit gab es hier auf dem kleinen Markt leider auch nicht.   

Innen gab es frischen Fisch. Dieser wird ungekühlt ausgestellt. Für unsere Hygienebeauftragten wäre das natürlich eine gute Möglichkeit sich wichtig zu machen, aber was man hier anders macht als bei uns – man verbraucht es gleich. Der Fisch, der hier ausliegt, ist heute Abend gegessen.

Hmm Thunfischsteak. Mit ein paar Kräutern angebraten, durchaus sehr lecker. Dazu ein bisschen Wein und gekochtes Gemüse aus den Bergen und schon hat man eine gute Mahlzeit für gutes Geld. Ich kaufe den Thunfisch aber lieber etwas billiger auf dem größten Markt in Davao. 

Zum Schluss hab ich noch ein Foto von einem Schwarm Fliegenfische gemacht. Die sind echt cool – vor allem wenn man in einem kleinen Boot sitzt und die Fische dann auf Augenhöhe vorbeifliegen.

Anfang nächster Woche haben wir unseren ersten Ausflug geplant und ich hoffe, dass bis dahin wieder alle fit sind :)! Dann geht es nach Samal Island. Heute Abend bin ich mit einem kleinen Team philippinischer Christen verabredet, und wir treffen uns im People Park, um für Kranke zu beten – auch das wird wieder spannend werden.

 

 

 

Enno Goerlich

Anführer des kleinen Wolfsrudel, für jedes Abenteuer zu haben.

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