Bankerohan – öffentlicher Markt

Die Küche ist leer, in der Mall gibt es nur überteuertes Obst und Gemüse und wir haben fast zwei Jahre gewartet, um die Früchte und das Gemüse aus dem gelobten Land zu essen. Gut zum Einen, dass wir direkt eigenes Obst im Garten verkaufen und so über ausreichende Obstreserven in Form von Bananen, Mangos, Papayas und Wassermelonen haben. Zudem ist es auch praktisch, dass in Davao der Umschlagsort für regionales Obst und Gemüse ist! Das Obst und Gemüse wird auf den Farmen um und in Davao angebaut. In den nahen Bergen werden Gemüsesorten angebaut, für die es hier unten zu heiß ist. Salate, Brokkoli, Blumenkohl, Kartoffeln, Gurken, Radieschen und kleine Erdbeerchen zum Beispiel. Die Erde rund um Davao ist sehr nährstoffreich, aufgrund vulkanischen Ursprungs und sorgt dafür, dass die Region um Davao Exportmeister von Bananen, Papaya, Mangosteen und Durian ist. Erwähnt werden sollte natürlich auch, dass es hier der günstiste Ort auf den Philippinen ist, um an die Früchte und das Gemüse zu kommen. Käufer kommen von überall her, um dann das Obst und Gemüse zu kaufen und in den Philippinen zu verteilen- sogar bis hoch nach Manila. Nicht selten sind die Preise dann andernorts um 1/3 der Davaopreise höher – manchmal sogar doppelt so hoch! Im Norden der Philippinen gibt es noch die Gegend um Baguio City, welches ebenfalls sehr viel Obst und Gemüse anbaut und von dort aus verteilt. Es ist sogar höher gelegen und eignet sich für andere Leckerein als hier.  

Eingang zur Halle X

Der Markt ist für unsere Verhältnisse riesig. Es gibt eine ganze Straße lang nur Obststände, an dessen Ständen sich das verschiedene Obst stapelt. Für viele Früchte gibt es zurzeit noch nicht die richtige Session, trotzdem bekommt man schon die eine oder andere Frucht zu kaufen, aber verhältnismäßig teuer. Durian z.B. gibt es jetzt schon zu kaufen, aber um die besten Früchte zu besten Preisen zu essen, müssen wir noch ein paar Wochen warten. Besonders freue ich mich schon auf die Lanzones Früchte, welche im Oktober ihren Höhenpunkt erreichen und auch mit reichlich Festen gefeiert werden – dann aber auf Camiguin, wo die dortige Erde die süßesten dieser Früchte hervorbringt, ein bekanntes Spektakel dieses lanzones festival!.

Für jede Frucht gibt es kleine fahrende Händler, die einen für ein paar Peso Aufpreis die Anananas mit geübten Schnitten in ein paar Sekunden zu essbaren Würfeln verarbeiten. Große Früchte wie z.B. die Jackfruit (welche bis zu 50kg schwer werden kann!) kann man so in kleine Portion und „to go“ mitnehmen. Ein kleiner Snack, den sogar der kleine Samuel liebt, da dessen köstliches Fruchtfleisch zwar weich, aber zäh ist und so kein Erstickungsgefahr für den kleinen droht,. Auch leicht angefroren sind sie sehr lecker und erfrischend, wenn es draußen sehr heiß ist. Fertig sind sie, wenn man mit dem Finger ein wenig Reif von der Frucht schmieren kann. Gerade bei Jackfruit bin ich dankbar, für die Händler, denn wer einmal eine Jackfruit im Ganzen gekauft und zerlegt hat weiß, wie viel Arbeit das ist. Wenn die Frucht nicht sehr reif ist, kleben die Hände beim Zerlegen, da die Frucht einen extrem klebrigen latex“kleber“ herstellt. Einmal war ich auf einer kleinen Jackfruitfarm und konnte dort sehen, wie sie bei den fast reifen Jackfruits eben diesen Kleber aufgefangen haben. In diesen Kleber wird dann beispielsweise ein langes flexibles Blatt oder ein Stoffstreifen getaucht und dieser wird dann um einen dünnen Bambusstock gewickelt, so als ob man hauchdünnes Stockbrot rösten will. Es ist eine perfekte Vogelfalle, denn mit ein wenig Fruchtfleisch in der Nähe und einem präparierten Stock als Landungsstelle hat der Bauer einen kleinen Nebenverdienst.

Neben den Früchten stellt die Parallelstraße das Gemüse aus. Zwischen den Straßen gibt es große Lagerhallen, welche ebenfalls gefüllt sind mit Gemüse~, Fleisch~und Fischhändlern. Besonders froh war ich über meinen guten Freund, den Chinakohlhändler. Chinakohl heißt Kimchimöglichkeit! Kimchi heißt Freude, die man zu jedem Reisgericht hinzufügt. Kimchi lieben unsere philippinschen Gastgeber, seit sie uns das letzte mal Besucht haben und so warten wir nun geduldig, bis der Kohl fermentiert ist und sich die Aromen der Gewürze und das Chili tief in eingelegtes Gemüse einlagert. Ich denke in ein paar Tagen können wir den ersten Test genießen. Ist er erfolgreich, wartet schon ein Glas, welches mehrere Liter Fassungsvermögen hat – Juhu! 

Um gute Preise zu bekommen, schickte unsere Gastgeberin eine Stunde vor unserer Ankuft einen Spion los, um die Preise zu erfagen. Die Frau wartet schon am Eingang auf uns und reichte mir einen Zettel mit Wörtern und Zahlen un unleserlicher Schrift. Entziffern konnte ich fast nur „große Kartoffeln für 75 Peso das Kilogramm“. Ich fragte noch ein paar Wörter nach und entschloss mich dann aus Höflichkeit, den Rest als gut leserlich zu beschreiben. So ganz klappt das System aber noch nicht, da die Preise um eine weiße Person herum im Umkreis von 15 Meter automatisch und ein paar Peso steigen. So trennen wir uns von unserer philippinischen Begleitung, da sie auch zu guten Preisen kaufen möchte, und wir überlassen ihr die Bestellungen. Ohnehin haben wir schon fast alles an Gemüse, was wir brauchen. Leckere Süßkartoffeln, Kamote, welche es in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Das Fleisch der Süßkartoffeln ist weiß, je nach Sorte auch mal Lila und der Geschmack erinnert an geröstete Maronen. Sehr lecker. Dazu haben wir schon fast alles an Gemüse für das Kimchi. Frische Zwiebeln gibt es hier auch tonnenweise. Wie bei fast allen Gemüsesorten beginnen die Verkäufer die ersten Schichten der Schalen zu abzuschälen, so sie gerade nichts zu tun haben. So wirken die Waren gleich viel frischer und man bezahlt nicht den unnötigen Balast, wie z.B. die äußeren vom Transport matschigen Salatblätter.

Wir verlassen die erste Lagerhalle, um uns Richtung Fisch und Obst vorzuarbeiten. Zwischen den Hallen nutzen auch viele kleinere Händler den Platz, ihre Ernten anzubieten und wir nutzen  das gleich und decken uns mit einer der leckersten Sorten Kochbananen ein, welche wir für ca. 20 Cent das Kilogramm kaufen. Lässt man diese Kochbananen reifen, kann man sie auch roh essen und sie schmecken sehr interessant und lecker. Manche wie eine Mischung aus Banane und Birne, andere sehr süß. Frittiert in Kokosöl und mit Wildhonig übergossen ein außerst leckeres Dessert!! Aaron war sehr von dem vollgeladenen Motorrad begeistert und ich stelle mir das auch gut vor, um die Sippe zu kutschieren, wobei auch so genug Platz aud einem Motorrad ist. Aber Familie und einen Sack voll Bananen transportieren – das ist schon verlockend!

leckere Kochbananen

Kochbananen haben den Vorteil, dass die Bäume nicht empfindlich sind und sie auch nicht gedüngt oder gespritzt werden müssen. Auch die Beschneidung von Seitensträngen muss nicht so sorgfältig überwacht werden, wie bei den „normalen“ Bananen. Bananen gibt es übrigens in vielen Formen und Farben und können im Reifestadium grün, rot oder gelb sein. Die grünen Bananen schmecken süßer als die Gelben, werden aber von den Philippinos nicht so gerne gekauft. Cavendish zum Beispiel ist die Sorte, die wir in unseren Einkaufsläden in Deutschland finden. Diese Bananen gehören,neben einigen Kochbananen natürlich, zu den größten und werden fast alle exportiert, unter anderem von Dole, welche hier in Asien weit verbreitet sind. Leider gelangen keine Bananen aus den Philippinen nach Deutschland, sondern sie werden von hier, dem zweitgrößten Exporteur,  nach China, Japan,Süd-Korea, Singapur ect. geschickt. Unsere Bananen kommen aus z.B. aus Südamerika, meistens Ecador. Die Cavendish Bananen nehmen dabei fast die Hälfte der Philippinschen Bananenplantagen in Anspruch. Daneben gibt es noch andere leckere Sorten wie Lakatan z.B., mittelgroße gelbe Bananen, mit dunkelgelben Fruchtfleisch oder unsere Lieblinge, die Latundan Bananen, kleine dicke Bananen, die an unsere Gourmetbananen erinnern. Davon kann man gleich einen ganzen Haufen kaufen, denn eine Banane wird pro Stückpreis von einen Peso gehandelt, d.h. also für einen Euro bekommt man über 50 Latundan. Very good!

 

Im Vordergrund sieht man grüne Tomaten, welche schon reif sind. Rote Tomaten habe ich hier kaum gesehen, meistens gibt es nur einen geringen Rotanteil an den Tomaten. Wenig später erreichen wir einen weiteren Bereich, wo Tonnen von Salat verkauft wird und der Boden bedeckt ist von Salatblättern, welche welk oder matschig sind. Auch die ein oder andere Kakerlake grüßt uns.

Diese Maschine wird genutzt, um alte Kokosnüssen zu feinem Kokosmehl zu verarbeiten, aus welchen man dann Kokosmilch zum Kochen herstellt. Zur Erinnerung: Die jungen Kokosnüsse, die man von Fotos her kennt, beinhalten das Kokoswasser und nur eine hauchdünne Schicht von zartem Kokosfleisch, welches so weich ist, dass man dieses mit einem Löffel abschaben und essen kann. Die alten, bzw. reifen Kokosnüsse sind solche, diees bei uns zu kaufen gibt. Diese verfügen über viel Fruchtfleisch, welches bereits ausgehärtet ist. Das Wasser aus solchen Nüssen ist zum Trinken nicht geeignet, schmeckt nicht wirklich lecker – eher ölig und ranzig, dafür ist aber das harte Fleisch ein leckeres Snack, und man kann daraus auch Kokosraspeln machen. Diese Maschine sieht aus wie eine Zitruspresse, an der ein einfacher Motor angebaut ist, welcher genug Kraft hat zum Abfräsen des Fleisches hat. 

Sehr fein wird das Kokosfleisch geraspelt, ist aber nicht so trocken wie das gekaufte Zeug in Deutschland, da aufgrund der Frische noch Wasser eingelagert ist und es keinen Trockenprozess durchlaufen hat. Zuhause angekommen kann man das Zeug dann mit frischem Kokoswasser einer jungen Kokosnuss mischen und gewinnt daraus ein sehr schmackhaftes Mittel zum Kochen – natürliche Kokos“milch“. Mjam!  Sarah fühlt sich sichtlich wohl neben dem ganzen Grünzeugs. Wären wir doch nur hier gewesen, wo sie noch überwiegend Rohkost gegessen hatte. So langsam wird aber der Rucksack und die Tüten schwer – auch die Kinderchen sind von den Eindrücken überladen. und übermüdet. Wir kommen heute nicht mehr dazu, die Straße der Früchte zu sehen. Das holen wir aber noch nach und vielleicht schreibe ich darüber auch noch einen kleinen Artikel, nur um das mal zu zeigen. Ich kenne diesen Bereich nur während Dunkelheit, als wir vor zwei Jahren einmal dort warten, um wenigstens einen kurzen Eindruck von dem Markt zu bekommen – und um nach einer großen Jackfruit Ausschau zu halten, die ich in den leeren Handgepäckkoffer mitnehmen wollte ;).

 

Zurück nehmen wir ein Taxi, um unsere ganzen Tüten und Rucksäcke zu transportieren. Adela zieht noch eine Weile durch das Früchteabteil, und bringt uns auf Wunsch noch ein paar Dinge mit. Unterwegs zum Taxi laufen wir an einer kleinen Frau vorbei, die ihren Wilden Honig verkauft. Super, der hat mir noch gefehlt. Importierter Honig ist hier sehr teuer und der im Land produzierte Honig ist meistens wild und kräftig und fällt durch seine Flüssigkeit auf. Die Trägheit des Honigs lässt sich irgendwo zwischen Öl und den flüssigen Honig aus Deutschland vergleichen und der Geschmack ist unvergleichlich. Diesen nutze ich nun für frischen Saft aus Calamansifrüchten (eine Kreuzung von Zwergorangen und Limetten). Damit der Saft nicht so sauer ist, wird er mit Wildhonig gesüßt und verfügt über zahlreiche Vorteile für die Gesundheit. 

Bankerohan, wir kommen auf jeden Fall wieder und auch diesmal bringen wir reichlich Platz in unseren Rucksäcken mit.

 

 

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